Martin Friedrichs

Martin ist Doktorand der Biologie & Ökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

Angeln auf Barsch – Gleiche Chancen auf gleiche Fische vom Ufer und Boot?

Der neue Trend schlechthin – Angeln auf Barsche. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen es hieß: „Ist der erste Fisch ein Barsch, ist der Angeltag im ‚Eimer‘.“ Das scheint sich grundlegend geändert zu haben.

Heute zählt der Barsch vermutlich zu einem der beliebtesten Ziele, zumindest unter Raubfischanglern. Das liegt unter anderem auch daran, dass man den Barsch auf so unterschiedliche Weise beangeln kann. Sowohl vom Boot, als auch vom Ufer aus, hat man immer gute Chancen auf einen ordentlichen Fisch. Allerdings scheint es so, als würde man, zumindest vom Boot aus, in seiner eigenen „Barschwelt“ treiben.

Neue Studien haben gezeigt, dass „Uferbarsche“ und „Freiwasserbarsche“ sich in ihrer Körperform und Lebensraumnutzung grundlegend unterscheiden.

Barschangeln

Biologischer Hintergrund

Barsche sind in unseren Gewässern sogenannte „Top-Prädatoren“, das heißt, dass sie an der Spitze der Nahrungskette stehen. Das trifft natürlich nur für ausgewachsene fischfressende (piscivore) Barsche zu. Während ihrer Entwicklung bevorzugen Barsche immer wieder andere Nahrungsorganismen. Als Larven fressen sie Zooplankton, später dann alle möglichen Wasserinsekten („Makroinvertebraten“) und schließlich dann Fisch. Wann diese Nahrungswechsel stattfinden ist immer Gewässerabhängig.

Top-Prädatoren sind für das Ökosystem ‚See‘ von großer Bedeutung. Nicht nur, dass sie Fischbestände regulieren und so der Kleinwüchsigkeit (Verbuttung) der Bestände vorbeugen, sondern auch weil sie in der Regel Lebensräume verbinden. Das heißt, es findet ein regelmäßiger Wechsel in der Nutzung von Lebensräumen wie z.B. Schilfgürtel, Krautfelder und Freiwasser statt. Das ist wichtig um das Ökosystem ‚See‘ zu stabilisieren.

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Der Barsch als Sonderling

Schon frühere Studien gezeigt, dass Barsche deutlich unterschiedliche Körperformen ausbilden, je nachdem ob sie vorwiegend in Schilf und Krautfeldern oder im Freiwasser jagen und je nach dem wie groß sie sind. In frühen Stadien sind die „Schilf und Kraut“ Barsche, also die Barsche, die wir hauptsächlich vom Ufer aus beangeln, deutlich hochrückiger als „Freiwasser“ Barsche. Später, bei Barschen zwischen 20 und 30 Zentimetern, kehrt sich dieses Muster um.

Die unterschiedliche Körperform der „Kraut“ und „Freiwasser“ Barsche liegt in der Nahrungsspezialisation begründet. In früheren Lebensstadien haben die „Kraut“ Barsche höherwertige (größere) Nahrung, wie Libellenlarven, Eintagsfliegenlarven u.ä. zur Verfügung. Die „Freiwasser“ Barsche ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton wie Daphnien und Ruderfußkrebsen. Die Daphnien und Ruderfußkrebse sind viel kleiner als eine Libellenlarve. Allerdings spezialisieren sich die „Freiwasser“ Barsche schon ab circa 15 cm sehr stark auf Fisch als Nahrungsquelle (fast 80%), bei „Kraut“ Barschen wird dieser hohe Grat der Spezialisation erst viel später erreicht. Das bedeutet also, dass die „Freiwasser“ Barsche schon sehr früh Fisch als hochwertige Nahrungsquelle nutzen und entsprechend eine höhere Körperform ausbilden als die „Kraut“ Barsche.

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„Freiwasser“ Barsche sind hoch spezialisiert

Für uns Angler und für das Angeln auf Barsche noch relevanter ist allerdings eine wissenschaftliche Studie, die herausgefunden hat, dass zumindest „Freiwasser“ Barsche keinen regelmäßigen Lebensraumwechsel vollziehen.

Was heißt das genau?

„Kraut“ Barsche wechseln häufig zwischen Schilf, Kraut und Freiwasser als Lebensraum und Jagdrevier. Sie jagen im Kraut und Schilf nach Insekten und Fischen, tun dies aber auch genauso im Freiwasser. Diese „Kraut“ Barsche können wir also genauso gut vom Ufer als auch vom Boot aus fangen. Die „Freiwasser“ Barsche tun dies aber nicht. Sie leben und jagen fast ausschließlich im Freiwasser. Sind also sehr spezialisiert auf die Jagd in diesem Lebensraum. Daher auch Fisch als Hauptnahrungsquelle. Für uns Angler heißt das, dass wir diese „Freiwasser“ Barsche nur sehr schwer vom Ufer aus beangeln können, weil sie nur selten in Wurfweite kommen.

Ausnahmen gibt es natürlich

Hoffnung macht hier natürlich die Laichzeit, da kommen sowohl „Kraut“ als auch „Freiwasser“ Barsche in die flachen Uferregionen. Häufig können wir den typischen Barschlaich dicht am Ufer finden. In dieser Zeit kann man natürlich auch „Freiwasser“ Barsche im Uferbereich fangen, aber vermutlich eher mit Gummifischen, als mit Krebsimitaten, das spielt allerdings keine Rolle, da ihr beide Ködertypen regelmäßig in der myfishingBox findet.

Quellen zu den originalen Artikeln:

Literatur:

Svanbäck, R., & Eklöv, P. (2003). Morphology dependent foraging efficiency in perch: a trade‐off for ecological specialization?. Oikos, 102(2), 273-284.

Scharnweber, K., Strandberg, U., Karlsson, K., & Eklöv, P. (2016). Decrease of population divergence in eurasian perch (Perca fluviatilis) in browning waters: Role of fatty acids and foraging efficiency. PloS one, 11(9), e0162470.

Marklund, M. H., Svanbäck, R., Faulks, L., Breed, M. F., Scharnweber, K., Zha, Y., & Eklöv, P. (2019). Asymmetrical habitat coupling of an aquatic predator—The importance of individual specialization. Ecology and Evolution.

Mustamäki, N., Cederberg, T., & Mattila, J. (2014). Diet, stable isotopes and morphology of Eurasian perch (Perca fluviatilis) in littoral and pelagic habitats in the northern Baltic Proper. Environmental biology of fishes, 97(6), 675-689

März 29, 2019
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