MARTIN FRIEDRICHS

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Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz.

Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt.

Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

Ist Angeln trotz Corona erlaubt?
Ist das die richtige Frage?

Ist Angeln trotz Corona erlaubt? Passt das noch?

Soll man noch über Corona schreiben? Man hat das Gefühl, dass alle notwendigen Informationen bereits zur Verfügung stehen, das alles über den Ernst der Situation bekannt ist und trotzdem tauchen auf den sozialen Medien ständig neue Beiträge auf, die einen einfach sprachlos machen. Die Situation ist extrem dynamisch und die Maßnahmen sind es auch. Für uns Angler stellt sich quasi täglich die Frage: Ist Angeln trotz Corona noch erlaubt? Hinzu kommt die Frage: Selbst wenn Angeln trotz Corona noch erlaubt ist, ist es verantwortbar?

Eines sei gesagt, ich bin Biologe, Gewässerökologe, aber ich bin auf keinen Fall Virologe. Ich hatte das Glück einem Vortrag von Christian Drosten, sicherlich einem der aktuell bekanntesten Wissenschaftler in Deutschland und Leiter der Virologie der Charité, zu hören. Das war am 28.02.20 an der Freien Universität Berlin in einem Hörsaal mit einer Teilnehmerzahl, die heute undenkbar wäre. Vieles was Herr Drosten damals gesagt hatte, ist mitlerweile Realität geworden. Dennoch gibt es einige Informationen, die es kaum in die Artikel der Medien schaffen und auch die Wissenschaft geht bei dem Thema Corona schnell voran.

Im Folgenden werde ich versuchen ein paar dieser Infos darzustellen. Ich werde auch eine Begründung (persönliche Meinung) dafür liefern, warum man in Zeiten einer Pandemie nicht unbedingt angeln gehen muss (und wenn man es doch tut, was man vielleicht bedenken sollte). Wie ihr euren lokalen Angelladen auch während dieser Situation unterstützen könnt, zeigt ein kleines Video etwas weiter unten.

Ist Angeln trotz Corona erlaubt?

Angeln trotz Corona: Gefährden wir unsere Fische, oder umgekehrt?

Nein, nicht nur die Überschrift lesen (zu dieser Zeit wichtiger denn je)! Corona kann nicht auf Fische übertragen werden und demzufolge sind Fische und deren Verzehr (auch wenn sie aus dem Supermarkt stammen) völlig unbedenklich. Das ist logisch und dieser kleien Paragraph soll auch nur als leichte Einleitung dienen, wenn wir uns der Frage nähern, ob Angeln trotz Corona erlaubt ist.

Vom Säugetier zum Säugetier

Der Virus wurde von einem Säugetier auf ein anderes, nämlich uns, übertragen. Super spannend ist hier ein wissenschaftlicher Artikel aus dem Jahr 2007 [1]. In dem heißt es sinngemäß, dass das große Vorkommen an verschiedenen Virenstämmen der SARS-CoV Familie in Hufeisennasen (Fldermäuse), gepaart mit der vor allem süd-chinesischen Kultur, diese Tiere zu essen oder zumindest sehr nah mit ihnen zusammenzuleben, eine tickende Zeitbombe sei.

„The presence of a large reser-voir of SARS-CoV-like viruses in horseshoe bats, together withthe culture of eating exotic mammals in southern China, is a timebomb.

Dazu sollte man wissen, dass auch Viren in Arten, Gattungen, Familien etc. eingeteilt werden. Corona gehört zur Familie der Coronaviridae. In dieser Familie gibt es tatsächlich auch Virenstämme, die Fische befallen können. Da ich aber, wie gesagt, kein Virologe bin, möchte ich hier gar nicht weiter darauf eingehen. Nur soviel, nur weil Arten zur gleichen Familie gehören, hat das nicht wirklich viel zu bedeuten. Barsch (Perca fluviatilis) und Zander (Sander lucioperca) gehören auch zur selben Familie (Percidae), aber bereits zu unterschiedlichen Unterfamilien. Zur selben Famile, Percidae, gehört aber auch der Orangekehlige Springbarsch, eine Fischart aus den USA, die man vermutlich kaum auf den ersten Blick zu den Barschenartigen zählen würde.

Ist Angeln trotz Corona erlaubt?

Die Frage, ob Angeln trotz Corona erlaubt ist, ist nicht allgemeingültig für Deutschland zu beantworten! Regularien ändern sich fast täglich. In der Regel ist Sport an der frischen Luft nicht verboten. Theoretisch darf man sich sogar mit einer Person zum Angeln verabreden (ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt!). In anderen Regionen ist aber auch das Angeln komplett untersagt, siehe >hier<.

Angeln trotz Corona erlaubt: Ich bin gesund, also ghe ich angeln!?

Heute beim Spazierengehen habe ich einen Großvater gesehen, der mit seiner Enkelin das erste Mal zusammen angeln war. An sich eine wundervolle Sache, aber zu diesen Zeiten? Ich war schon etwas schockiert. Eine Risikogruppe mit einer Gruppe, die zwar das Virus überträgt, aber selbst kaum Symptome zeigt. Ich habe es nicht ganz verstanden. Fakt ist, und das hat eine neue Studie gezeigt, dass die „stillen“ Infektionen, also diejenigen, die nur leichte oder gar keine Symptome hervorrufen, sehr stark für die extrem schnelle Verbreitung des Virus verantwortlich sind [2].

Beim damaligen SARS Virus war es so, dass man zuerst Symptome der Krankheit gezeigt hat und dann kam die ansteckende Phase des Virus. Bei Corona sind unauffällige Krankheitsverläufe ebenfalls stark ansteckend und selbst wenn die Krankheit auffällig verläuft, ist man bereits hochgradig ansteckend, bevor man die ersten Symptome zeigt! Das ist ein wesentlicher Unterschied zum damaligen SARS Virus.

Angeln und Corona?

Schon die Frage, ob ich während einer Pandemie angeln gehen sollte, klingt ein wenig merkwürdig. Selbst wenn Angeln trotz Corona erlaubt ist, kann ich nur schwer verstehen, warum man dieses zusätzliche Risiko eingehen muss. Warum kann man nicht 3 bis 4 Wochen auf das Angeln verzichten? Das fällt für mich unter soziale Veratwortung. Man liest zur Zeit viel, dass Angler sich das Angeln nicht verbieten lassen wollen und die Begründung, die man auch oft liest, lautet: „Angeln dient dem Nahrungserwerb und ist somit unverzichtbar.“ Leute das ist Quatsch. In Deutschland ist niemand auf die Nahrungsquelle „selbstgefangener Fisch“ angewiesen. Also bleibt einfach zu Hause, oder macht haltet euch wenigstens an die üblichen Vorgaben zur Reduzierung der Ansteckungsgefahr. Geht alleine Angeln und vermeidet auf dem Weg zum Angeln jeglichen Kontakt mit anderen. Ich halte es übrigens auch für unverantwortlich von den sogenannten „Influencern“, die sich ihrer Rolle anscheinend nicht bewusst sind und fleißig weiter angeln gehen und Fotos und Videos posten, in denen sie mit anderen Anglern zusammen losziehen. Sowas muss einfach nicht sein.

Angeln ist trotz Corona erlaubt (meistens), aber Vorsicht, der Corona-Grippe-Vergleich hinkt dramatisch!

Dennoch liest man auch zur Zeit noch häufig, dass eine Grippewelle mehr Todesopfer fordert, als Corona. Dieser Vergleich ist laut Herr Drosten aber leider völlig falsch! Der Unterschied besteht in der Berechnung der Todesopfer. (Ich kann an der Stelle nur sinngemäß wiedergeben, was ich im Vortrag gehört habe!) Für die Grippe werden die Todesopfer in Form von „mehr Tote als Normal“ berechnet. Normal heißt hier, die durchschnittliche Anzahl an Toten pro Monat. Alles was zur Grippesaison über dieser durchschnittlichen Anzahl ist, wird der Grippe zugeordnet und damit zu allen Grippeerregern! Es gibt viele verschiedene Grippeerreger. Das ist auch der Grund, warum eine Grippeimpfung immer nur die 4 Erreger abdeckt, die im letzten Jahr am häufigsten Vertreten waren, weil man nicht gegen alle Erreger impfen kann. Grippeimpfungen sind trotzdem sinnvoll, das Belegen Studien immer wieder!

Corona ist Einzeltäter

Corona ist ein Virus, ein ganz spezieller, alle Todesopfer, alle Infizierten, sind genau diesem Virus zuzuordnen! Das ist ein großer Unterschied.

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Apropos Angeln und Corona

Viele Angelläden sind geschlossen und haben keinen eigenen Onlinehandel. Diese Angelläden sind in ihrer Existenz bedroht und wir alle sollten diesen Angelläden so gut wir können helfen. Jens von Lieblingsköder hat sich da was besonderes einfallen lassen. Bei jeder Bestellung gehen 25% des Verkaufswertes an einen Angelladen eurer Wahl! Schaut euch das Video an.

Angeln trotz Corona erlaubt? Wir sollten uns um das Abflachen der Kurve bemühen!

Es ist also klar, dass Corona wesentlich gefährlicher ist, als eine Grippe (abgesehen von der spanischen Grippe, dabei handelte es sich auch um einen ganz speziellen Virus) und damit ist auch klar, dass die Frage: „ist Angeln trotz Corona erlaubt?“, irgendwie zu kurz ist. Die aktuellen Maßnahmen, die in Deutschland ergriffen werden, haben nicht zum Ziel den Virus auszulöschen, das wird nie geschehen, das Ziel ist es den rasanten, exponentiellen Anstieg an Infizierten zu unterbrechen. Grafisch gesehen heißt das, die Kurve, die die Anzahl der Neuinfektionen pro Tag beschreibt, abzuflachen!

#flattenthecurve

Dazu kann jeder beitragen, in dem er möglichst soziale Kontakte vermeidet. Jetzt kommt das Argument, dass man auch allein angeln gehen kann. Das stimmt, das Problem ist aber häufig schon der Weg zum angeln, der kurze Stopp an der Tankstelle, der Stopp bei einem Bekannten, von dem ich noch die Wathose brauche, oder der Stopp im noch nicht geschlossenen Angelladen, weil ich noch eine Tageskarte brauche.

Animiertes Beispiel in der Washingtonpost

Wie diese verminderten sozialen Kontake wirklich helfen können, die Kurve abzuflachen, sieht man sehr anschaulich animiert in diesem Beitrag der Washingtonpost.

Warum ist das Abflachen der Kurve wichtig?

In Deutschland sind bisher nur wenige Menschen an Corona gestorben. Die Menschen die gestorben sind, waren über 60 Jahre alt und hatten Vorerkrankungen. Allein deswegen nehmen viele jüngere Menschen Corona auf die leichte Schulter. Das Problem liegt aber ganz woanders. Auch bei jungen Menschen kann es zu schwereren Fällen kommen. In diesen Fällen ist eine Beatmung des Patienten für eine gewisse Zeit notwendig. Ist dies möglich, steigt das Immunsystem irgendwann wieder ein und der Patient überlebt sehr wahrscheinlich. Beatmungsmaschinen und die dazugehörigen Intensivbetten sind aber begrenzt. Die vorhandenen Betten sind natürlich auch teilweise schon belegt. Und hier kommt die Zeit und die Kurve ins Spiel. Als der Virus in Deutschland ankam, konnte man die Fälle und Neuinfektionen von Tag zu Tag an einer Hand abzählen. Zur Zeit haben wir fast 1000 (!) neue Fälle pro Tag! Ein dramatischer Anstieg der Kurve! Bei dieser Geschwindigkeit ist das Gesundheitssystem zeitnah überlastet. Wenn das geschieht, sterben schneller mehr Menschen und auch jüngere Menschen werden betroffen sein.

#bleibzuhause

Das einzige was hilft ist Zeit und genau um diese Zeit geht es, wenn vom Abflachen der Kurve die Rede ist! Diese Zeit gewinnt man nur, wenn man die Infektionsketten deutlichen ausbremst!

Corona und Biodiversität

Im Guardian ist ein sehr interessanter Artikel erschienen mit dem Titel „Tip of the iceberg“ (englisch). In dem Artikel geht es im Wesentlichen darum, dass die jetzige Pandemie möglicherweise nur die Spitze des Eisberges ist, der noch vor uns liegt. Die Begründung dafür liegt in der immer weiter voranschreitenden Zerstörung der Natur. Zum einen dringen Menschen immer weiter in Gebiete vor, in denen sie noch nie waren, zum anderen führt die immer stärkere Besiedlung der Erde dazu, dass Menschen und Tiere auf immer engerem Raum zusammen leben. Das führt unweigerlich zu immer neuem Kontakt mit immer neuen Virenstämmen. Der Artikel gibt noch einen sehr viel detailreicheren Einblick, in diese Hypothese. Eine unbedingte Leseempfehlung!

Corona und Wissenschaftsleugner

Angeln ist trotz Corona erlaubt, meistens und man hört ja auch (leider) oft genug, dass die Corona-Pandemie und die Maßnahmen, völlig überzogen seien. Ich werde hier natürlich keines dieser Videos und keinen dieser Artikel verlinken. Stattdessen verlinke ich hier einen sehr guten Artikel von riffreporter.de, der sehr gut darstellt, wie „glaubwürdig“ derartige Videos/Artikel sind. Für den Laien ist es in Zeiten der Informationsflut unglaublich schwer einzuschätzen, welche Quellen gut, schlecht, oder irgendetwas dazwischen sind. Ein Merkmal, welches bei diesen Videos und Artikeln allerdings immer wieder auftaucht, ist, dass es sich häufig um Wissenschaftler handelt, die nicht mehr (oder noch nie) am aktuellen Wissenschaftsgeschehen teilnehmen. Das ist kein Vorteil, weil sie dadurch etwa unabhängiger wären, sondern ein gravierender Nachteil, weil die Forschung unglaublich schnell voran schreitet und man eine aktuelle Situation nicht basierend auf nicht-aktuellem Wissen beurteilen darf.

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Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

Literatur:

1. Cheng, V. C., Lau, S. K., Woo, P. C., & Yuen, K. Y. (2007). Severe acute respiratory syndrome coronavirus as an agent of emerging and reemerging infection. Clinical microbiology reviews, 20(4), 660-694.

2. Li, R., Pei, S., Chen, B., Song, Y., Zhang, T., Yang, W., & Shaman, J. (2020). Substantial undocumented infection facilitates the rapid dissemination of novel coronavirus (COVID-19). medRxiv.

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März 19, 2020
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