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Angeln auf Rapfen – Biologie und Köder

Angeln auf Rapfen – Biologie, Köder und mein Rapfengewässer

Regelmäßig finden auf meinem Instagramprofil (@martin_fishscience) Gewinnspiele unter dem Hashtag #invasiveornot statt. Mit freundlicher Unterstützung von MyFishingBox, könnt ihr dabei immer eine aktuelle MyFishingBox gewinnen. Im Anschluss an das Gewinnspiel wird hier immer ein passender Beitrag veröffentlicht. In vorigen Gewinnspielen ging es dabei um den Wolgazander und die Schwarzmundgrundel. Einen grundlegenden Beitrag zum Thema invasive Arten findet ihr >hier<. Heute geht es also um den Rapfen. Eine extrem spannende Fischart, die das Angeln in meinem Heimatgewässer, der Spree in Berlin, wesentlich prägt. In diesem Beitrag wird es um die Biologie des Rapfens gehen, um die Köderwahl zum Rapfenangeln und natürlich um das Angeln auf Rapfen in Berlin.

Wie bewegt sich das Maul bei einem Rapfen

Bildquelle: Day, S. W., Higham, T. E., Holzman, R., & Van Wassenbergh, S. (2015). Morphology, kinematics, and dynamics: the mechanics of suction feeding in fishes. Integrative and comparative biology, 55(1), 21-35.

Ursprüngliche Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Rapfens hat seine nördlichen Grenzen im südlichen Finnland und Mittelschweden, im Osten bis an den Ural und Kasachstan, im Süden bis in die Türkei und den Iran und im Westen bis weit nach Deutschland hinein. Eine detaillierte Karten des ursprünglichen Verbreitungsgebietes des Rapfens findet ihr >hier<. Der Rapfen gilt somit in Deutschland auch nicht als invasive Art und wird entsprechend vom Bundesministerium für Naturschütz auch nicht als solche aufgeführt (siehe >hier<). Lediglich für das Einzugsgebiet des Rheins gilt der Rapfen als invasiv, beziehungsweise als eingeschleppt.

Lebensraum und Laichzeit

Rapfen sind Flussfische und kommen entsprechend in allen größeren und kleineren Fließgewässern in ihrem Verbreitungsgebiet vor. Es gibt allerdings auch Rapfenbestände in der Ostsee und in anderen Meeren (beziehungsweise deren Brackwasserbereichen) innerhalb des Verbreitungsgebietes. Diese Brackwasserpopulationen vollziehen dann allerdings zur Laichzeit Wanderungen in die Flussmündungen. Die Laichzeit der Rapfen erstreckt sich ungefähr von April bis Juni, ist aber natürlich stark von der Wassertemperatur abhängig. Rapfen laichen in sehr schnellem Wasser und heften ihren Laich an Steine oder Unterwasserpflanzen. Für den Bruterfolg scheinen geringe Wasserstände und eine hohe Frühjahrstemperatur entscheidend zu sein.

Ein Cyprinide auf Raubzug

Rapfen zählen zu den Cypriniden, also den Karpfenartigen. Wir kennen die Karpfenartigen eigentlich als eher friedliche Zeitgenossen in Form von Karpfen, Plötze und Schleie, die sich gut mit Mais oder Maden fangen lassen. Der Rapfen bildet hier eine Ausnahme, da er schon sehr früh beginnt sich räuberisch, also von Fisch zu ernähren. Das macht ihn natürlich für uns Spinnangler zu einer interessanten Beute, weil er mit diversen Kunstködern gut gefangen werden kann, aber dazu später mehr.

Der Rapfen – Ein Geschwindigkeitssauger

Rapfen haben keine Zähne, wie zum Beispiel Hecht oder Zander und können ihre Beute daher auch nicht effektiv festhalten. Es gilt also für den Rapfen seine Beute möglichst schnell und effektiv zu attackieren um so seine Chancen zu erhöhen. Rapfen zählen in Bezug auf den Fressmodus zu den „Geschwindigkeitssaugern“ (engl.: velocity suckers). Klingt komisch, ist aber so. Zu der gleichen Gruppe zählen auch Forellen, die haben allerdings auch Zähne. Jeder der schon Mal eine Rapfen mit der Spinnrute gefangen hat, kennt die extrem harten Bisse, die einem fast die Rute aus der Hand reißen. Diese Bisse sind genau das Resultat dieser Jagdstrategie. Der Rapfen muss extrem schnell auf seine Beute zuschwimmen und sie möglichst stark ansaugen, um sie so in sein Maul zu bekommen. Wie das Ganze im Detail aussieht, seht ihr in der folgenden Abbildung.

Rapfen frisst Goldfisch

Bildquelle: Van Wassenbergh, S., & De Rechter, D. (2011). Piscivorous cyprinid fish modulates suction feeding kinematics to capture elusive prey. Zoology, 114(1), 46-52.

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Köderwahl

Entsprechend dieser sehr speziellen Jagdstrategie der Rapfen, sollte man auch seine Köder auswählen. Kleinere Köder sind klar im Vorteil! Wer mit Big Baits angeln möchte, sollte sich lieber einen anderen Zielfisch suchen. Kleine Wobbler, Meerforellenblinker oder kleine Gummifische um die 5 bis maximal 10 cm, haben sich beim Angeln auf Rapfen häufig bewährt. Auch Jigspinner, wie zum Beispiel die Spinmads, sind absolute Erfolgsköder auf Rapfen. Vor allem die Spinmads bringen einen großen Vortzeil mit, sie sind klein, kompakt und fliegen sehr weit. Das ist wichtig, da große Wurfweiten beim Angeln auf Rapfen von Vorteil sind. Übrigens können Köder kaum zu schnell oder zu aggressiv geführt werden. Studien haben gezeigt, dass Rapfen in der Lage sind den motorischen Ablauf des Maulöffnens und Ansaugen der Beute extrem präzise in Bruchteilen von Sekunden an die jeweilige Fluchtrichtung ihrer Beute anzupassen [1]. Erstaunliche Räuber!

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Rapfen Gewässer

Angeln auf Rapfen in der Stadtspree in Berlin

Das Angeln auf Rapfen hat für mich eigentlich erst so richtig begonnen, als ich nach Berlin gezogen bin. Deshalb gehören für mich stark vom Menschen veränderte Gewässer und diese Fische einfach zusammen. Natürlich kommen Rapfen auch in anderen naturnahen Gewässern vor, aber wenn man einmal eine solche gedankliche Verbindung geschaffen hat, ist die Assoziation schwer zu lösen. In jedem Fall ist das Angeln auf Rapfen in der Stadtspree sehr erfolgreich, denn der Fisch wird kaum beangelt und wenn er mal gefangen wird, wird er kaum entnommen. In den vielen Gewässern Berlins finden die Rapfen auch gute Laichbedingungen vor und das langsam fließende und warme Wasser der Spree lässt die Fische gut abwachsen. Ihr seht also, der perfekte Stadtfisch.

Weitere Infos

Wenn ihr mehr Infos zum Angeln auf Rapfen in Berlin haben wollt, schreibt mir einfach auf Instagram oder über meinen Webseite (martinfriedrichs.de).

 

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Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

Literatur:

1. Van Wassenbergh, S., & De Rechter, D. (2011). Piscivorous cyprinid fish modulates suction feeding kinematics to capture elusive prey. Zoology, 114(1), 46-52.

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März 13, 2020
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