Aromatisierte Köder? Macht das Sinn?

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Aromatisierte Köder? Macht das Sinn?

Teil 1: Genereller Überblick über die Sinneswahrnehmung bei Fischen in Bezug auf aromatisierte Köder.

Zuletzt haben wir uns mit dem Sehvermögen von Fischen beschäftigt. Wie aber sieht es mit anderen Sinneswahrnehmungen bei Fischen aus?

Können Raubfische die zunehmend auf dem Markt angebotenen aromatisierten Gummiköder und Aromen (Gels, Marker, Sprays) riechen und schmecken? Und können aromatisierte Köder zum Fangerfolg beitragen?

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Chemorezeptoren, also die Sinneszellen, welche für die Wahrnehmung von in der Luft oder dem Wasser gelösten chemischen Stoffen verantwortlich sind, sind bei Fischen extrem gut ausgebildet (Hara, 2012). Das chemosensorische System dient den Fischen neben der Auffindung von Nahrung auch zur Erkennung und Findung von bekannten bzw. bevorzugten Habitaten, der Räubervermeidung und der innerartlichen Kommunikation (Hansen & Reutter, 2004).

Ein sehr gut ausgeprägtes chemosensorisches System hat für Fische viele Vorteile und unterlag daher schon immer einem hohen evolutivem Druck, denn i) Chemische Stoffe sind im Wasser allgegenwärtig, da diese in großen Mengen von aquatische Organismen im Zuge der Osmoregulation, des Stoffwechsels und nach dem Tod durch z.B. Zersetzung freigegeben werden; ii) Wasser ist ein universelles Lösungsmittel, welches die Mehrheit an chemischen Stoffen auflöst und diese als biologisch relevante Hinweise nutzbar macht; iii) Durch das evolutionär frühe Vorkommen hochspezifischer Proteinrezeptoren können sehr komplexe Verbindungen chemischer Geruchs- und Geschmacksstoffe unterschieden werden, wodurch diese einen hohen Informationsgehalt bekommen.

Im direkten Vergleich mit Landwirbeltieren haben Fische:

  • einen weniger ausgeprägten Geruchssinn
  • auch Geschmackswahrnehmungssysteme auf der Körperoberfläche
  • nur ein Geschmackswahrnehmungssystem (Landwirbeltiere haben zwei Systeme)
  • eine nicht mit an Land lebenden Tieren vergleichbare Bandbreite an chemischen Geruchs- und Geschmacksreizen, was auf dem unterschiedlichen physischen Medium beruht (Wasser vs. Luft)

Geschmackswahrnehmung

Die Geschmackswahrnehmung bezieht sich nur auf die Futteraufnahme und erfolgt über Geschmacksknospen, welche zahlreich im Mund (Lippen, Mundraum, Zunge) und bei einigen Arten auch über die gesamte Körperoberfläche einschließlich der Kiemen und Augen verteilt sind.

 

Geruchswahrnehmung

Im Gegensatz zum Geschmackswahrnehmungssystem, welches exklusiv mit der Nahrungsaufnahme assoziiert ist, wird mit Gerüchen eine weite Bandbreite an Reizen wie z.B. vertraute Nahrung, geografische Orte und Artgenossen (Pheromone) in Verbindung gebracht. Die Vielfalt an Geruchsreizen, welche unterschieden werden können ist bedeutend größer als die von Fischen wahrnehmbaren Geschmacksreize.

Fische sind in der Lage Aminosäuren, Amine, Nukleotide, Gallensäuren (reduzierte Steroide, produziert durch die Leber), Sexualhormone und Prostaglandine wahrzunehmen (Derby & Sorensen, 2008).

Trotz des kontinuierlichen Zuwachses an Informationen, welche die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung von Fischen betreffen, ist der Großteil dieser noch unerforscht. Insbesondere die Unterscheidung einzelner Geruchs- und Geschmacksstoffe ist noch zu klären und wurde bisher nur für einige wenige, nicht für Angler relevante Fischarten untersucht.

Allerdings gibt es drei Aromen, auf die ich im zweiten Teil genauer eingehen möchte. Das sind Knoblaucharoma, Anisaroma und Fischaroma!

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Literatur

Derby, C. D., & Sorensen, P. W. (2008). Neural processing, perception, and behavioral responses to natural chemical stimuli by fish and crustaceans. Journal of chemical ecology, 34(7), 898-914.

Hansen, A., & Reutter, K. (2004). Chemosensory systems in fish: structural, functional and ecological aspects The senses of fish (pp. 55-89): Springer.

Hara, T. J. (2012). Fish chemoreception (Vol. 6): Springer Science & Business Media.

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Januar 4, 2018
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