Martin Friedrichs

Martin ist Doktorand der Biologie & Ökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

Dann lieber mal ein Auge zudrücken! – Barsch und Hecht jagen selektiv Beute mit größeren Augen

Viele Kunstköder, Wobbler Gummifische und Jerkbaits, haben künstliche Augen. Oft sind diese übertrieben groß und sehen eher komisch als fängig aus. Doch das könnte Sinn machen, zumindest wenn man einer neuen Studie aus Schweden Glauben schenkt.

In ihr wurde untersucht ob sich verhältnismäßig große Augen der Beutefische (5 cm große Barsche) negativ auf die Überlebenschancen auswirken. Also ob Barsche (circa 20 cm) oder Hechte (circa 35 cm) bevorzugt Jagd auf Beute mit großen Augen machen.

Und tatsächlich, beide Räuber machen gezielt Jagd auf Beute mit großen Augen. Allerdings nur, wenn kein dichter Pflanzenbewuchs vorhanden ist.

Die Begründung, die die Wissenschaftler dafür liefern, ist mehr als logisch und die solltet ihr lesen, bevor ihr auf alle eure Kunstköder zum Hecht- und Barschangeln riesen Plastikaugen klebt!

Barschangeln

Die Wissenschaftler führen diesen Effekt auf die Lichtreflexionen im Barschauge zurück. In der Vegetation spielt das keine Rolle, da die Beutefische mehr oder weniger zufällig angetroffen werden. Im Freiwasser hingegen werden Schwärme bejagt. Die stärkeren Reflexionen im größeren Barschauge, hervorgerufen durch die lichtreflektierenden Schichten hinter den Photorezeptoren, können sich dann negativ auswirken. Die Fische fallen einfach schneller auf.

Also, bevor ihr jetzt in den nächsten Basteladen rennt um Plastikaugen für eure Kunstköder zu kaufen, vergewissert euch, dass die Augen auch ordentlich glitzern! Nur dann werfen auch die Räuber ein Auge auf die Augen!

Viele Grüße,

Martin

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Der Barsch als Sonderling

Schon frühere Studien gezeigt, dass Barsche deutlich unterschiedliche Körperformen ausbilden, je nachdem ob sie vorwiegend in Schilf und Krautfeldern oder im Freiwasser jagen und je nach dem wie groß sie sind. In frühen Stadien sind die „Schilf und Kraut“ Barsche, also die Barsche, die wir hauptsächlich vom Ufer aus beangeln, deutlich hochrückiger als „Freiwasser“ Barsche. Später, bei Barschen zwischen 20 und 30 Zentimetern, kehrt sich dieses Muster um.

Die unterschiedliche Körperform der „Kraut“ und „Freiwasser“ Barsche liegt in der Nahrungsspezialisation begründet. In früheren Lebensstadien haben die „Kraut“ Barsche höherwertige (größere) Nahrung, wie Libellenlarven, Eintagsfliegenlarven u.ä. zur Verfügung. Die „Freiwasser“ Barsche ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton wie Daphnien und Ruderfußkrebsen. Die Daphnien und Ruderfußkrebse sind viel kleiner als eine Libellenlarve. Allerdings spezialisieren sich die „Freiwasser“ Barsche schon ab circa 15 cm sehr stark auf Fisch als Nahrungsquelle (fast 80%), bei „Kraut“ Barschen wird dieser hohe Grat der Spezialisation erst viel später erreicht. Das bedeutet also, dass die „Freiwasser“ Barsche schon sehr früh Fisch als hochwertige Nahrungsquelle nutzen und entsprechend eine höhere Körperform ausbilden als die „Kraut“ Barsche.

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„Freiwasser“ Barsche sind hoch spezialisiert

Für uns Angler und für das Angeln auf Barsche noch relevanter ist allerdings eine wissenschaftliche Studie, die herausgefunden hat, dass zumindest „Freiwasser“ Barsche keinen regelmäßigen Lebensraumwechsel vollziehen.

Was heißt das genau?

„Kraut“ Barsche wechseln häufig zwischen Schilf, Kraut und Freiwasser als Lebensraum und Jagdrevier. Sie jagen im Kraut und Schilf nach Insekten und Fischen, tun dies aber auch genauso im Freiwasser. Diese „Kraut“ Barsche können wir also genauso gut vom Ufer als auch vom Boot aus fangen. Die „Freiwasser“ Barsche tun dies aber nicht. Sie leben und jagen fast ausschließlich im Freiwasser. Sind also sehr spezialisiert auf die Jagd in diesem Lebensraum. Daher auch Fisch als Hauptnahrungsquelle. Für uns Angler heißt das, dass wir diese „Freiwasser“ Barsche nur sehr schwer vom Ufer aus beangeln können, weil sie nur selten in Wurfweite kommen.

Ausnahmen gibt es natürlich

Hoffnung macht hier natürlich die Laichzeit, da kommen sowohl „Kraut“ als auch „Freiwasser“ Barsche in die flachen Uferregionen. Häufig können wir den typischen Barschlaich dicht am Ufer finden. In dieser Zeit kann man natürlich auch „Freiwasser“ Barsche im Uferbereich fangen, aber vermutlich eher mit Gummifischen, als mit Krebsimitaten, das spielt allerdings keine Rolle, da ihr beide Ködertypen regelmäßig in der myfishingBox findet.

Quellen zu den originalen Artikeln:

Literatur:

Svanbäck, R., & Eklöv, P. (2003). Morphology dependent foraging efficiency in perch: a trade‐off for ecological specialization?. Oikos, 102(2), 273-284.

Scharnweber, K., Strandberg, U., Karlsson, K., & Eklöv, P. (2016). Decrease of population divergence in eurasian perch (Perca fluviatilis) in browning waters: Role of fatty acids and foraging efficiency. PloS one, 11(9), e0162470.

Marklund, M. H., Svanbäck, R., Faulks, L., Breed, M. F., Scharnweber, K., Zha, Y., & Eklöv, P. (2019). Asymmetrical habitat coupling of an aquatic predator—The importance of individual specialization. Ecology and Evolution.

Mustamäki, N., Cederberg, T., & Mattila, J. (2014). Diet, stable isotopes and morphology of Eurasian perch (Perca fluviatilis) in littoral and pelagic habitats in the northern Baltic Proper. Environmental biology of fishes, 97(6), 675-689

Mai 21, 2019
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