Kommt der Angler zum Fisch, oder umgekehrt?

Wenn es darum geht einen Fisch zu fangen, stehen alle Angler, egal ob Profi oder Einsteiger,
ob Raubfisch- oder Friedfischangler, vor dem gleichen Problem.

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Jeder Angler muss den Köder seiner Wahl in die Nähe des Zielfisches bringen, nur so ist es möglich einen Fisch zu fangen. Denkt man nun an das eher aktive Kunstköderangeln, hat der Angler zwei Möglichkeiten um seinen Köder möglichst oft vor dem Maul eines Räubers zu platzieren.

Entweder er erhöht die Anzahl der Würfe und seine zurückgelegte Strecke am Ufer des Gewässers, oder er lässt die Fische für sich arbeiten und fischt gezielt in den Zeiten, an denen die Bewegungsrate seines Zielfisches am größten ist. Eine hohe Bewegungsrate des Zielfisches erhöht konsequenter weise die Chance auf einen Köder von uns zu treffen enorm.

Bleiben wir nun beim Raubfischangeln und widmen unsere Aufmerksamkeit dem Zander. Der Zander ist ein beliebter Zielfisch vieler Angler, doch wann gehe ich eigentlich am besten los zum Zanderfischen um mit möglichst wenig Aufwand eine möglichst hohe Aussicht auf Erfolg zu haben?

Verschiedene Wissenschaftler haben sich mit den Bewegungsmustern des Zanders aus den verschiedensten Gründen beschäftigt, dabei ging es ihnen in erster Linie nicht darum, Wissen für die erfolgreiche Zanderangelei zu produzieren, doch warum sollten wir deren Ergebnisse nicht für unsere Angelei nutzen.

Ganz generell konnten viele der Studien zeigen, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen der Wassertemperatur und der Bewegungsrate der Zander gibt. Also umso wärmer das Wasser ist, umso mehr bewegen sich die Zander, dabei liegt das Temperaturoptimum für Zander erstaunlich hoch, nämlich bei 27 °C (Koed, 2000). (Nebenbei bemerkt, konnten nur wenige Studien einen Zusammenhang zwischen der Körperlänge, bzw. dem Gewicht, und der Aktivitätsrate ausmachen.)

Die dabei zurückgelegten Strecken waren im Frühjahr und Herbst am größten (Vehanen & Lahti, 2003). Die Autoren der Studie begründen die langen Schwimmstrecken im Frühjahr mit den Laichwanderungen der Fische, während die zurückgelegten Strecken im Herbst eher auf die Suche nach geeigneten Winterhabitaten zurückzuführen sind. Dabei werden erheblich Strecken zurückgelegt. Die untersuchten Fische von Vehanen und Lahti (2003) legten im Mittel innerhalb von 24 Stunden eine Strecke von einem Kilometer zurück, wobei einige Individuen sich fast gar nicht bewegten, während andere Fische bis zu 7,5 km schwammen!

Dies hat natürlich große Auswirkungen auf die Fangbarkeit der einzelnen Fische. In einer Studie von Poulet et al., (2005) schwamm ein einzelnes Weibchen sogar mehr als 2,5 km in nur zwei Stunden! Dies wirft natürlich die Frage auf, wie oft man den Platz wechselt, wenn man eine vermeintlich gute Stelle befischt. Früher oder später kommen die Zander, oder?

Am wahrscheinlichsten, dass früher oder später ein Zander wirklich vorbeikommt, ist es laut einer Studie von Jepsen et al., (1999), zwischen 18:00 und 24:00 Uhr im Tagesverkauf, wobei hier wirklich die Zeiten und keine Lichtintensitäten gemessen wurden. In diesem Zeitraum zeigten die Zander in ihrer Untersuchung die mit Abstand höchsten Bewegungsraten. Ergänzend zu dieser Untersuchung kann die Studie von Poulet et al., (2005) betrachtet werden.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich einzelne Individuen sehr stark in ihren Aktivitätsmustern unterschieden. So gab es Zander die vermehrt in den Morgenstunden umherschwammen und damit gut fangbar gewesen wären, während andere Fische bevorzugt die Abendstunden nutzten für eine erhöhte Aktivität.

Abschließend möchte ich hier noch, für die Zanderangler die gerne in der Nacht losgehen, eine Studie von Horký, Slavík, Bartos, Kolárová, and Randák (2006), erwähnen. In ihr wurden die Aktivitätsmuster der Zander während verschiedener Mondphasen untersucht. Das Ergebnis war für mich zumindest sehr erstaunlich und eigentlich auch logisch zu gleich.

Die höchste Aktivität (und damit die beste Fangbarkeit?) zeigten die Zander in Nächten mit Neumond, also umso dunkler die Nacht ist, umso mehr bewegen sich die Zander! In der Studie wurden die hohen Bewegungsraten mit den schlechten Sichtverhältnissen begründet. Denn trotz der Tatsache, dass Zander ein sogenannten Tapetum lucidum (Ali, Ryder, & Anctil, 1977) besitzen, eine Pigmentschicht im Auge die es ihnen ermöglicht auch bei sehr geringer Lichtintensität noch gut zu sehen, ist es auch für Zander bei sehr dunklen Nächten womöglich schwierig ihre Beute auszumachen und zu finden.

Daher müssen die Zander mehr umher schwimmen um auf Beute zu treffen. Was passiert wohl, wenn ihm dabei ein Gummifisch oder Wobler in die Quere kommt…

Quellen:

Ali, M. A., Ryder, R. A., & Anctil, M. (1977). Photoreceptors and Visual Pigments as Related to Behavioral Responses and Preferred Habitats of Perches (Percaspp.) and Pikeperches (Stizostedionspp.). Journal of the Fisheries Research Board of Canada, 34(10), 1475-1480. doi:10.1139/f77-212

Horký, P., Slavík, O., Bartos, L., Kolárová, J., & Randák, T. (2006). The effect of the moon phase and seasonality on the behaviour of pikeperch in the Elbe River. Folia Zoologica, 55(4), 411- 417.

Koed, A. (2000). Annual movement and migration of adult pikeperch in a lowland river. Journal of Fish Biology, 57(5), 1266-1279. doi:10.1111/j.1095-8649.2000.tb00486.x

Vehanen, T., & Lahti, M. (2003). Movements and habitat use by pikeperch (Stizostedion lucioperca (L.)) in a hydropeaking reservoir. Ecology of Freshwater Fish, 12, 203- 215.

Martin Friedrichs

Student der Biologie mit Schwerpunkt Gewässerökologie

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August 1, 2016

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