Beissindex – Kennst du diese 3 Nachteile?

Fachwissen über Beissindex

Der Beissindex ist ein Tool, dass uns Anglern helfen soll mehr Fische zu fangen. Und auch wenn er in seiner Historie auf wissenschaftlichen Fakten beruht, hat er drei sehr entscheidende Nachteile! Welche das sind, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Grundannahmen für den Beissindex

Ganz grundsätzlich geht jeder Beissindex davon aus, dass Wetterverhältnisse, meistens Temperatur, Wind, Mondphasen, einen enormen Einfluss auf das Beissverhalten der Fische haben. Mittlerweile gibt es etliche Apps die einem den Beissindex für verschiedene Fische anzeigen. Auch früher gab es bereits ähnliche Bestrebungen. In verschiedenen Angelzeitungen konnte man immer wieder diverse Indexe finden. 

Ganz speziell habe ich während der Recherche für diesen Artikel erfahren, dass viele Beissindexe auf eine wissenschaftliche Studie aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert zurück gehen. Diese Studie belegt, dass die Nahrungsaufnahme unter anderem bei Fischen extrem von verschiedenen Wetterfaktoren abhängt. Das ist auch absolut nicht ungewöhnlich, allerdings wird dabei ein entscheidender Faktor vergessen und das bezeichne ich hier als ersten entscheidenden Nachteil eines Beissindex.

1. Entscheidender Nachteil – Der Einfluss des Anglers

Diese frühe Studie mag für sich allein genommen vollkommen richtig sein. Allerdings bleibt einfach fraglich, wie groß der Einfluss der Wetterverhältnisse wirklich sein kann. Generell sind Fische, als wechselwarme Tiere, bei höheren Temperaturen aktiver als bei niedrigen, bis ein kritischer Temperaturbereich erreicht wird. Wobei gerade in unseren Regionen oft nicht die erhöhte Temperatur, sondern die Sauerstoffsättigung des Wassers ein limitierender Faktor ist, der die Aktivität und damit die Fangbarkeit der Fische einschränkt.

Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass Wind ein wichtiger Faktor für die Fangbarkeit der Fische sein kann. Allerdings ist es auch so, dass Fische als wechselwarme Tiere ihre Verdauung nicht stoppen können. Wenn im Sommer 5 Tage am Stück „schlechtes“ Wetter ist, aber das Wasser trotzdem warm ist, ist der Magen leer und die Fische müssen fressen, egal was der Beissindex sagt.

Viel entscheidender ist aber, dass in der Studie nicht der Einfluss der Angler auf das Fangergebnis mit einbezogen worden ist. Auch wenn es früher vereinzelt Studien zum Einfluss der Angler bzw. des Angelns auf Fischbestände gab, war diese Forschungsrichtung längst nicht so ausgeprägt wie heute.

Auch technisch waren noch viel größere Grenzen gesetzt als heutzutage. Es gibt mittlerweile einige Studien, die sehr genau untersucht haben, ob Umweltfaktoren einen Einfluss auf die Fangbarkeit von Fischen haben. Die Ergebnisse sind dabei immer sehr ähnlich und bestätigen die Vermutung: ja, haben sie. In erster Linie begründet sich dieser Einfluss in der Aktivität der Fische.

Barsche sind zum Beispiel in Dämmerungsphasen aktiver als zu anderen Tageszeiten und lassen sich daher besser fangen. Das ist nahezu immer so, ein Beissindex der für Barsche in den Dämmerungsphasen nicht den höchsten relativen Index anzeigt, ist in meinen Augen direkt kritisch zu betrachten. Schaut man aber nun auf die Bedeutung der Umwelteinflüsse im Vergleich zur Stellenwahl oder des Könnens des Anglers, wird schnell klar, dass das Gewicht der Umweltfaktoren viel geringer ist und damit ein Beissindex sehr häufig in seinem Einfluss absolut überschätzt wird! Diese Bedeutung, vor allem die der Stellenwahl, ist mehrfach belegt.

Und damit kommen wir direkt zum zweiten großen Nachteil eines Beissindex.

2. Nachteil – Wesentliche Daten für einen guten Index fehlen

Ohne Zweifel kann ein Beissindex einwandfrei funktionieren. Davon bin ich absolut überzeugt. Allerdings ist es bisher so, dass hinter der Entwicklung einer solchen App, die den Beissindex abbildet, in erster Linie ein monetäres Interesse und kein wissenschaftliches steckt.

Das führt dazu, dass die Ergebnisse dieser frühen Studien herangezogen werden und ganz einfach mit frei verfügbaren Wetterdaten verschnitten werden - fertig ist der Beissindex. Das ist einfach Quatsch. Was man braucht sind wirkliche Fangdaten von Anglern. Diese stehen heutzutage in großer Zahl und mit extrem hoher räumlicher Abdeckung zur Verfügung. Warum nicht daraus einen Beissindex bauen?

Das würde gehen, hat aber auch noch einen großen Haken. Denn die meisten Angelapps nehmen „nur“ Fangdaten auf. Diese Fangdaten reichen nicht aus, um einen guten Beissindex zu programmieren. Wenn ich weiß, dass in einem See bei Wolken und Wind 10 Barsche gefangen wurden, bei Regen aber nur ein Barsch, kann ich daraus nicht schließen, dass der Beissindex bei Wolken und Wind hoch sein muss. Warum? Ganz einfach, ich kenne die „nicht-Fänge“ nicht.

Wenn bei Sonne und Wolken 100 Angler ans Wasser strömen, weil die Bedingungen so gut zu sein scheinen, bei Regen aber nur 10 Angler ans Wasser fahren, zeigt sich schnell, dass keine der Wetterbedingungen wirklich einen Vorteil bringt. Pro Angler wurden bei beiden Wetterbedingungen nur 0,1 Barsche gefangen (Wind/Wolken: 10 Barsche auf 100 Angler, Regen: 1 Barsch auf 10 Angler).

Dieses Spiel lässt sich natürlich beliebig weitertreiben; geangelte Stunden insgesamt, verwendete Köder, beangelte Stellen usw. usw. Spannend ist, dass wir mittlerweile eigentlich genug Angler in Deutschland haben, um wirklich gute Daten für einen Beissindex zu sammeln. 

3. Nachteil – Sinkende Motivation

Ich für meinen Teil muss Angeln gehen, wenn ich Zeit habe. Die wirklichen Angeltage kann ich mir nur in bedingtem Maße aussuchen. Ich gehe davon aus, auch wenn uns Social Media immer wieder etwas anderes glauben machen möchte, dass das für viele Angler der gleiche Fall ist.

Wenn ich dann mal an einem Tag los komme zum Angeln und es ist Ostwind, sinkt meine Motivation direkt. Warum? „Kommt der Wind aus Osten, lässt er die Haken rosten.“ Bei Ostwind fängt man nichts. Wusste schon mein Vater. Ist das bewiesen? Nein!

Das sind subjektive Meinungen, die sich oft genug selbst bestätigen. Warum das nicht bewiesen ist, habe ich im vorigen Abschnitt erläutert. Komischerweise, wenn mal ein Angler ein ausführliches Tagebuch führt, fällt immer wieder auf, dass auch bei Ostwind gute Fische gefangen werden können. Das weiß ich alles, dennoch sinkt meine Motivation bei Ostwind. Was folgt daraus? Köder werden etwas schlampiger platziert, die Köderführung wird etwas unkonzentrierter, die Pausen etwas länger.

Am Ende des Tages hat man schlechter gefangen und wer war schuld? Klar, der Ostwind. Genauso ist es mit dem Beissindex. Ob ich daran glaube oder nicht (wer die App auf dem Handy hat, hat das nicht umsonst), der Beissindex kann meine Motivation beeinflussen.

Wird die Motivation negativ beeinflusst, kann das große Folgen für den Angeltrip haben. Und genau das haben auch die vielen Studien, die ich im 1. Abschnitt erwähnt hatte, gezeigt. Die Stellenwahl und das Können der Angler sind die entscheidenden Faktoren.

Doch auch diese unterliegen der Motivation. Senkt der Beissindex meine Motivation, senkt er auch meine Erfolgsaussichten erheblich! Das will niemand. Jetzt kann man natürlich nur bei „gutem“ Beissindex in die App gucken und sich so noch mehr Motivation holen. Man kann aber auch einfach dadurch motiviert sein, dass man Zeit zum Angeln hat, egal wie das Wetter ist und was der Beissindex sagt. Denn eines ist sicher, nur die nasse Schnur kann Fische fangen!

In diesem Sinne, genießt die Zeit am Wasser! Angeln ist mehr als Fische fangen.

 


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