Catch and Release – aber richtig please!

Catch and Release

Was ist Catch and Release eigentlich?

Catch and Release ist in seiner Grundbedeutung nichts weiter als Fangen und Zurücksetzen von Fischen. Jeder Angler der eine Plötze an der Stippe fängt und diese wieder ins Wasser zurückwirft, betreibt also in dem Punkt Catch and Release. Gleiches gilt natürlich für den 100sten 15cm Barsch, der den kleinen Spinner für Döbel attackiert hat. So bald man einen solchen Fisch zurücksetzt, betreibt man ebenfalls Catch and Release. Obwohl also jeder Angler fast an jedem Angeltag in der ein oder anderen Form Catch and Release betreibt, ist das Thema zu einem Streitthema unter Angler in Deutschland geworden, das in seiner Emotionalität kaum von einem anderen Thema übertroffen wird.

Diese Emotionalität kommt im wesentlich dadurch zu Stande, dass sowohl von Catch and Release Befürwortern, wie auch von den Catch and Release Gegnern schwarz-weiß Szenarien gemalt werden, die oft wenig mit der Realität zu tun haben. In den Augen der Catch and Release Befürworter sind alle Gegner „Kochtopfangler“, die jeden Fisch abschlagen und damit die Bestände in unseren Gewässern ruinieren. In den Augen der Catch and Release Gegner sind die Befürworter alles Angler, die nur für den Trophäenfisch angeln, ohne jegliche Entnahmeabsicht ans Wasser fahren, jeden Fisch stundenlang fotografieren und mit diesen Handlungen gegen das Tierschutzgesetz und die Verwertungsabsicht verstoßen.

 

Soweit die schwarz-weiße Ausgangslage. Guckt man im Detail auf das Thema Catch and Release, kommen sehr viele Graustufen zum Vorschein.

 

Eine der wichtigsten Fragen ist natürlich, ob Catch and Release in Deutschland überhaupt erlaubt ist?

Eines der Hauptargumente der Catch and Release Gegner ist, dass diese Art der Angelei in Deutschland schlicht und ergreifend verboten sei. Diese Annahme kommt daher, dass in Deutschland das Beangeln von Fischen nur durch Verwertungsabsicht gerechtfertigt ist. Wer ans Wasser fährt zum Angeln, ohne Verwertungsabsicht, fügt einem Fisch, den er fängt, unnötig Stress, Schmerz und womöglich Leid zu. Das ist, in meinen Augen zu Recht, verboten.

 

Jetzt ist es aber so, dass in seltensten Fällen ein Angler ohne jegliche Verwertungsabsicht ans Wasser fährt. Wenn ich mir einen Barsch zum Essen fangen möchte, aber ein Rapfen sich den kleinen Wobbler schnappt, kann ich den Rapfen natürlich zurücksetzen, da ich ihn nicht Verwerten kann/möchte. Somit betreibe ich Catch and Release, bin allerdings nicht ohne jegliche Verwertungsabsicht ans Wasser gefahren. Und das ist keine Behauptung, die ich mir zum Schutz vor gesetzlichen Strafen zurechtlegen muss, das ist anglerische Realität. Etwas fragwürdiger wird das natürlich, wenn ich mit 40cm Big Baits auf Hechte fische und bei jedem 70er Hecht sage, ich würde gerne einen 50er für die Pfanne fangen. Da würde ich die Verwertungsabsicht des Anglers durchaus in Frage stellen.

 

Aber zurück zur Frage: Ist Catch and Release in Deutschland erlaubt?

 

Die Antwort ist ganz klar „ja“!

 

Neben dem gerade genannten Beispiel gibt es nämlich auch noch Mindestmaße, immer häufiger auch Höchstmaße, Schonzeiten und ganzjährig geschonte Arten. Alle diese Vorgaben zwingen uns als Angler quasi dazu, dass wir Catch and Release betreiben müssen. Im Umkehrschluss ist es also gar nicht möglich, dass Catch and Release per se verboten ist. Wo liegt dann genau das Problem?

Meiner Meinung nach gibt es zwei wesentliche Probleme mit dem Thema Catch and Release. Zum einen ist es so, dass sich die Befürworter sehr gerne an anderen Ländern, zum Beispiel den Niederlanden, orientieren. In den Niederlanden ist alles besser, die Fische größer, das Gras grüner und die Bäume größer. Kennen wir irgendwo her. Warum ist das so? Na klar, weil kaum ein Fisch mitgenommen wird beziehungsweise mitgenommen werden darf.

 

Solche Verhältnisse mögen für den Catch and Release Befürworter oder Trophäenangler durchaus wünschenswert sein, gehen aber an der Anglerschaft im Großen und Ganzen völlig vorbei. Die meisten Angler (auch wenn die sozialen Medien uns gerne etwas anderes glauben machen möchten) gehen angeln, um Fische zu essen. Und das ist auch gut so und soll auch so bleiben. Verhältnisse wie in den Niederlanden würden mir zum Beispiel den Spaß am Angeln stark nehmen. Ich möchte zumindest die Möglichkeit haben, einen Fisch auch entnehmen zu dürfen, ohne, dass ich dabei mit dem Gesetz in Konflikt gerate oder mir Hassreden von anderen Anglern anhören muss. Die Entnahme von Fisch ist wesentlicher Bestandteil der Angelei (übrigens auch der Hegeverpflichtung) und soll das auch bleiben.

 

Der zweite Grund, warum Catch and Release durchaus auf Widerstand stößt, ist der Umgang mit gefangenen Fischen. Oft geht es nur noch um das Höher, Schneller, Weiter und davon dann das beste Foto oder das beste Video, um es möglichst vielen zu zeigen. Der Fisch an sich verkommt dabei zum reinen Sportgerät. Das ist in meinen Augen eine sehr denkwürdige Entwicklung, die wenig mit dem Hobby Angeln an sich zu tun hat und die auch verständlicherweise Unverständnis bei einer breiten Masse der Angler in Deutschland hervorruft. Nur nebenbei sei erwähnt, dass diese langen Foto- und Videoprozeduren das eigentliche Problem sind, warum Angler auch immer wieder angezeigt und teilweise bestraft werden, wenn sie Catch and Release betreiben.

 

Trotz dieser eher kritischen Punkte ist es so, dass wir bei der ständig größer werdenden Anglerschaft in Deutschland nicht an dem Thema Catch and Release als Management-Tool immer weniger herumkommen. Wie bereits erwähnt, sind Mindestmaße, Schonzeiten und das Entnahmefenster, also ein Mindest- und ein Höchstmaß für bestimmte Fischarten, nichts anderes als „Formen“/ Abstufungen von Catch and Release. Es ist für uns also durchaus wichtig darüber nachzudenken, was wir überhaupt tun können, damit Fische, die gefangen und wieder freigelassen werden, diese Prozedur auch überleben. Denn das ist bei weitem nicht immer der Fall!

 

Was gilt es für erfolgreiches (der Fisch hat möglichst geringe Nachteile) Catch and Release zu beachten?

Ganz generell ist es natürlich so, dass nicht jeder Fisch die Prozedur des Fangens und Zurücksetzens unbeschadet übersteht. Im schlimmsten Fall, und der kommt bei manchen Fischarten gar nicht so selten vor, stirbt der Fisch.

Wissenschaftliche Versuche zeigen immer wieder, dass die Sterberaten bei einigen Fischarten sehr hoch sein können, so dass auch schon mal jeder zehnte Fisch die Prozedur des Catch and Release nicht überlebt.

 

Die Catch and Release Befürworter zweifeln solche Ergebnisse gerne an. Das Hauptargument ist dann häufig, dass man viel mehr tote Fische in den Gewässern sehen müsste. Das ist natürlich nicht unbedingt richtig. Tote Fische sinken zunächst zu Boden. Einmal dort angekommen, sind sie natürlich Nahrungsquelle für andere Räuber, Krabben, Krebse etc. Also es ist bei weitem nicht so, dass jeder tote Fisch an der Oberfläche herumschwimmt und selbst wenn er an die Oberfläche kommt, gibt es noch genug Prädatoren aus der Luft, die sich eine leichte Beute nicht entgehen lassen.

 

Aber das Sterben des Fisches ist nur eine Extremvariante der möglichen Folgen von Catch and Release. Bei fast allen Fischen, die gefangen und zurückgesetzt wurden, kann man zumindest kurzzeitig Verhaltensänderungen nachweisen. Die Fische verharren oft regungslos für einige Minuten am Gewässergrund. So könnten sie auch zur leichten Beute für größere Prädatoren werden. Für Meerforellen wurde aber auch konkret gezeigt, dass Fische, die während der Laichwanderung gefangen wurden, gar nicht oder verspätet an den Laichgründen angekommen sind und so natürlich kaum noch Laicherfolg hatten. Das sind schwerwiegende Folgen für Fischpopulationen, die wir als Angler kaum wahrnehmen können. Wenn die Meerforelle wegschwimmt, ist für uns als Angler alles in Ordnung.

 

Lang- und auch schon mittelfristig ist es aber mit Sicherheit so, dass wir uns immer mehr Gedanken über Catch and Release machen müssen. Die steigende Zahl an Anglern, die Folgen des Klimawandels und auch der Nahrungsbedarf anderer Räuber (Fischotter, Kormoran und Co.) setzen unseren Fischbeständen stark zu. Verbände und Vereine müssen mit entsprechenden Managementmaßnahmen reagieren. Eine bereits sichtbare Folge sind zunächst weitere Einschränkungen für uns Angler, zum Beispiel in Form von Entnahmefenstern, ausgedehnten Schonzeiten, Fangverboten. Aber natürlich sind diese Maßnahmen dazu gedacht, um möglichst langfristig Fischbestände zu sichern. Einher mit vielen Managementmaßnahmen geht aber auch die Zunahme von gesetzlich vorgeschriebenem Catch and Release.

Also bleibt die Frage: Was können wir als Angler nun tun, damit wir die Folgen vom Fangen und Zurücksetzen von Fischen möglichst minimieren?

Der richtige Haken

Den vermeintlich größten Schaden fügen wir als Angler den Fischen natürlich mit dem Haken zu. Das Anhaken des Fisches ist immer mit einer Wunde im Fischmaul verbunden und das lösen des Hakens ab und an mit einer längerfristigen „Operation“. Gerade wenn der Haken sehr tief im Maul des Fisches sitzt, ist das Lösen oft sehr schwierig. Als grobe Faustregel haben diverse Studien gezeigt, dass wenn ein Fisch bereits beim Lösen des Hakens stark blutet, für diesen Fisch die Überlebenschancen nach dem Catch and Release extrem sinken. Blutende Fische kann man in aller Regel eher entnehmen als zurücksetzen.

 

Glücklicherweise ist es gerade bei der Angelei mit Kunstködern so, dass Fische eher im vorderen Bereich des Mauls gehakt werden. So gehakte Fische lassen sich schnell und unkompliziert vom Haken befreien und die Überlebenschancen steigen enorm. Einige Angler versuchen auch die negativen Effekte des Hakens zu minimieren, indem sie Drillinge durch Einzelhaken tauschen. Oft wird das sogar von „Profis“ ausdrücklich empfohlen, oder (an einigen Salmonidengewässern) zur rechtlichen Vorschrift gemacht. Leider ist es so, dass unzählige Studien gezeigt haben, dass Einzelhaken gerade bei Barschartigen und Salmoniden (aufgrund des Fressmodus) oft zu höheren Sterblichkeitsraten führen, als Drillinge. Der Einzelhaken „rutscht“ schneller tiefer in den Rachen des Fisches und verfängt sich dort, als dies bei einem Drilling der Fall ist, der sich oft bereits weiter vorne im Maul irgendwo verfängt. Bei Kunstködern mit 2 Drillingen sollten man daher den hinteren Drilling niemals durch einen Einzelhaken ersetzen! Der Bauchdrilling kann hingegen durchaus durch einen Einzelhaken ersetzt werden, da dies zum Beispiel die Gefahr minimiert das Auge des Fisches im Drill zu verletzen.

 

Um die Verletzungen durch einen Haken zu minimieren, empfiehlt es sich, egal ob Drilling oder Einzelhaken, auf widerhakenlose Modelle umzusteigen. Diese Schonhaken stechen immer wieder als besonders fischschonend heraus und auch Studien, die sich mit den Folgen von Catch and Release auf diverse Fischarten beschäftigen, bestätigen immer wieder, dass Schonhaken äußerst fischschonend sind und zu einer erhöhten Überlebenschance der Fische beitragen.

Der richtige Drill

Fast genauso wichtig wie der richtige Haken, ist die Frage nach dem „richtigen Drill“ für das Überleben der Fische nach dem Catch and Release. Damit meine ich hier die richtige Länge des Drills. Amerikanische Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Länge des Drills maßgeblich darüber entscheiden kann, ob ein Fisch die Prozedur des Catch and Release überlebt oder nicht. Dabei sind zwei Szenarien zu unterscheiden.

1. Der Drill dauert zu lang

 

Ganz aktuell ist zum Beispiel die Ultralight-Angelei in große Mode gekommen. Diese Angelei macht unfassbar Spaß und begeistert viele Angler. Problematisch wird diese Angelei, wenn ein größerer Fisch an den Haken geht. Solch ein Fisch muss dann meist, aufgrund des sehr feinen Gerätes, extrem lange ausgedrillt werden und wird an den Rand der Erschöpfung getrieben. Solche „überlangen“ Drillprozeduren führen dazu, dass der Fisch sich extrem verausgabt und ggf. die Muskeln übersäuern. Für solche sehr lang ausgedrillten Fische sinkt die Überlebenswahrscheinlich stark. Das gilt natürlich nicht nur für die Ultralight-Angelei, sondern viel genereller für jegliche Angelformen. Das Angelgerät sollte immer so angepasst sein, dass der Drill nicht zu lange dauert.

2. Der Drill dauert zu kurz.

 

Es ist allerdings auch nicht gut, wenn der Drill extrem forciert und abgekürzt wird. Studien haben gezeigt, dass solche extrem schnell ausgedrillten Fische sich oft sehr schlecht vom Haken lösen lassen und damit diese Zeit, die der Fisch außerhalb des Wassers verbringt oft ansteigt. Leider sieht man zurzeit sehr häufig, dass gerade in Angelturnieren Fisch extrem schnell ausgedrillt und quasi in den Kescher gehievt werden. Das mag bei solchen „Profis“ vielleicht funktionieren (oder die entsprechenden Szenen werden später rausgeschnitten), ist aber keinesfalls der richtige Umgang mit dem Fisch!

 

Fazit: Das Angelgerät sollte immer an den zu erwartenden Zielfisch und seine Kampfkraft angepasst sein. Der Drill sollte weder zur völligen Erschöpfung des Fisches führen, noch sollte er so kurz sein, dass der Fisch am Ufer oder auf dem Boot wild umher zappelt und wir zum Beispiel den Haken nicht lösen können, oder der Fisch womöglich auf den Boden fällt.

 

Der richtige Kescher

Auch der richtige Kescher kann maßgeblich dazu beitragen, ob ein Fisch langfristig nach dem Fang überlebt oder eben nicht. Die Wahl des richtigen Keschers ist dabei denkbar einfach: möglichst groß und unbedingt mit gummiertem Netz! Kescher ohne gummiertes Netz führen unweigerlich dazu, dass die Schleimhaut eines Fisches nachhaltig verletzt wird. Das kann zu Verpilzungen und anderen Erkrankungen führen, im schlimmsten Fall zum Tod des Fisches. Mittlerweile gibt es sehr viele sehr gute Kescher auf dem Markt. Ein guter Kescher ist auch immer schonender als die Handlandung. Auch das wird von „Profis“ leider oft falsch kommuniziert. Eine Handlandung kann gerade bei größeren Fischen zu erheblichen Problemen führen. Ein großer gummierter Kescher ist einfach die schonendste Art einen Fisch anzulanden.

 

Da auch die Angelei vom Boot immer populärer wird, sei in diesem Zusammenhang noch erwähnt, dass auch der Untergrund auf einem Boot erheblich dazu beitragen kann, ob ein Fisch Catch and Release überlebt, oder eben nicht. Leider ist es zurzeit „cool“ eine Art Teppich auf dem Boot zu verlegen. Für mich völlig unverständlich, gerade in Bezug auf die gerade erwähnte Gummierung des Keschers, gilt natürlich das Gleiche für Untergründe mit denen der Fisch gegebenenfalls in Berührung kommen könnte. Fällt der Fisch auf den Teppich im Boot (weil vielleicht der Drill zu kurz war), führt das zu einer Beschädigung der Schleimschicht, ähnlich wie bei nicht-gummierten Keschern. Das sind Risken, die sich einfach vermeiden ließen und auf die auch geachtet werden sollte. Mir ist völlig unverständlich, was ein Teppich in einem Angelboot zu suchen hat.

Das richtige Wetter

Auch das Wetter kann entscheidend dafür sein, ob ein Fisch Catch and Release überlebt, oder nicht. Ganz generell ist es so, dass Fische die in der kälteren Jahreszeit gefangen und zurückgesetzt werden, eine höhere Überlebenschance haben, als Fische, die in der wärmeren Jahreszeit gefangen werden.

 

In der kälteren Jahreszeit ist zum Beispiel die Gefahr von Verpilzungen etc. wesentlich geringer als in der wärmeren Jahreszeit. Aber auch der Metabolismus der Fische ist runterreguliert, was dazu führt, dass sie sich im Drill nicht so verausgaben und auch, dass sich ein Haken meist wesentlich einfacher lösen lässt, weil der Fisch an sich ruhiger ist.

 

Im Sommer sieht das natürlich ganz anders aus und neuere Studien haben gezeigt, dass immer wärmer werdendes Wasser in Folge des Klimawandels dazu führt, dass Fische sich im Drill stärker verausgaben und die Überlebenswahrscheinlichkeiten von zurückgesetzten Fischen dadurch immer weiter sinkt. Für uns Angler ist es also gerade im Sommer wichtig, dass wir dafür sorgen, dass der gefangene Fisch möglichst schnell wieder zurück ins Wasser kommt. Bei einigen Fischarten, vor allem Barsch und Zander, sind hier oft Sekunden entscheidend. Dies gilt umso mehr, umso kleiner die Fische sind.

Fazit und Ausblick

Ihr seht also, wir als Angler haben einige Stellschrauben, um dafür zur sorgen, dass Fische Catch and Release auch wirklich unbeschadet überstehen. Allerdings ist es völlig egal, wie vorsichtig und nachsichtig wir uns verhalten, Catch and Release wird immer dazu führen, dass einige Fische sterben. Und genau das müssen wir uns als Angler klar machen, wenn wir ans Wasser fahren. Wenn ich völlig ohne jegliche Verwertungsabsicht ans Wasser fahre, betrachte ich ein Lebewesen als reines Sportgerät, welches meinem Spaß untergeordnet ist. Das kann nicht der Sinn von Catch and Release und von der Angelei im Allgemeinen sein. Wir als Angler haben dem Fisch als Lebenswesen gegenüber eine große Verantwortung.

 

Aber was passiert nun, wenn Catch and Release immer stärker in den Vordergrund tritt. Wenn das Entnahmefenster die großen Fische schont. Schwimmen dann bald immer größere Fische in unseren Gewässern herum? Auch das ist ein Irrglaube, der weit verbreitet ist und der in einer neueren amerikanischen Studie widerlegt wurde.

 

In der Studie wurde gezeigt, dass striktes Catch and Release durchaus dazu führen kann, dass die Fische in einem Gewässer vielleicht mehr werden, aber auch kleiner. Dieser Effekt ist natürlich von der Fischart abhängig, aber zum Beispiel für unseren heimischen Barsch wäre das ein durchaus realistisches Szenario. Wenn Fische nicht entnommen werden, müssen sich immer mehr Fische begrenzte Nahrungsressourcen teilen. Das muss zu geringeren Größen bei den Fischen führen. Gerade für Barsche sind solche Dynamiken gut untersucht und es wurde schon gezeigt, wie wichtig es ist, dass es eine geringe Zahl an sehr großen Individuen gibt, die einen Fraßdruck auf mittelgroße Individuen ausüben.

 

Nur so ist es möglich, dass Barsche aller Größenklassen gute Wachstumsraten aufweisen. Gibt es zum Beispiel sehr viele sehr große Barsche, stehen diese großen Barsche sehr schnell in Nahrungskonkurrenz zu mittleren Barschen. Dadurch werden Nahrungsressourcen nicht optimal genutzt und weder die mittleren, noch die großen Barsche können gut wachsen. Aber dazu vielleicht später mal mehr und etwas ausführlicher.

 

Reines Catch and Release ist in jedem Fall kein Mittel um Trophäenfische zu züchten. Eine geregelte Entnahme muss ebenso stattfinden. Mit diesem neuen Wissen könnt ihr euch nun in die Gewässer stürzen. Gutes Gelingen!

 

Autor Martin Friedrichs

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