Wolgazander in unseren Gewässern

Der Wolgazander

Ursprüngliche Verbreitung und Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Wolganaznders erstreckt sich von Österreich im Westen bis Kasachstan und Russland im Osten. Die nördlichen und südlichen Grenzen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes liegen beide in Russland.
In seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet bewohnt der Wolganzander sehr ähnliche Lebensräume wie unser heimischer Zander (Sander lucioperca). Zu diesen Lebensräumen zählen vor allem große und trübe Flüsse und Seen, sowie Brackwasserbereiche.

Verbreitung in Deutschland

In Deutschland hat sich der Wolgazander vor allem im Mittellandkanal und im Elbe-Seitenkanal ausgebreitet (siehe >hier<). Allerdings wird auch von Fängen in Rhein und Weser berichtet.
Da ich selbst viel im sachsen-anhaltinischen Teil des Mittellandkanals fische, kann ich nur bestätigen, dass es dort bereits sehr häufig zu Fängen des Wolgazanders gekommen ist.
Wie genau der Wolgazander in unsere Gewässer gelangen konnte ist meistens relativ unklar. Leider musste ich gerade für den von mir beangelten Bereich feststellen, dass ein „Besatzfehler“ durch einen Angelverein die Ursache war (siehe >hier<). Leider sind solche „Besatzfehler“ keine Einzelfälle und somit ein weiterer Grund über diese Praxis der Gewässerbewirtschaftung kritisch nachzudenken.

Bedeutung für unseren heimischen Zander

Konkurrent

Durch die starke Überlappung der bevorzugten Lebensräume, stellen Wolgazander einen direkten Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenten für unsere heimischen Zander dar. Da Wolgazander deutlich kleiner belieben als unsere heimischen Zander, wird sich diese Konkurrenzsituation weniger auf große Zander auswirken, als vielmehr auf junge Zander. Allerdings sind besonders die jungen Lebenstadien bei Fischen entscheidend, denn in den jungen Lebensstadien sind die Ausfallraten naturgemäß am größten und durch einen zusätzlichen Konkurrenten wird der Druck natürlich nur erhöht.

Hybridisierung

Vermutlich gefährlicher als die direkte Konkurrenzsituation ist allerdings die Hybredisierung mit unserem heimischen Zander.  Im nebenstehenden
Bild könnt ihr einen derartigen Hybriden aus dem Balaton sehen (c). Teilabbildung a zeigt unseren Zander, Teilabbildung b einen Wolgazander. Die Hybriden zwischen Zander und Wolgazander sind fruchtbar und können entsprechend lebensfähige Nachkommen hervorbringen. Damit stellt die Hybridisierung eine wirkliche Gefahr für die Integrität des Erbmaterials unserer heimischen Zander dar.

(Bildquelle: Muller, T., Taller, J., Kolics, B., Kovacs, B., Urbanyi, B., & Specziar, A. (2010). Short communication First record of natural hybridization between pikeperch Sander lucioperca and Volga. J. Appl. Ichthyol, 26, 481-484. )

Verhalten des Anglers

Gewässerordnungen sind Bundeslandspezifisch und wie ihr euch nach dem Fang eines Wolgazanders zu verhalten habt, müsst ihr entsprechend aus eurer Gewässerordnung entnehmen. Ich zitiere hier als Beispiel die Gewässerordnung des LAV Sachsen-Anhalt. Diese könnt ihr >hier< einsehen.

Darin heißt es:

5.1.1 Anlandungs-und Entnahmepflicht
Gefangene Fische nicht heimischer Arten, für die weder ein Schonmaß noch eine Schonzeit festgesetzt sind, müssen angelandet und dürfen nicht zurückgesetzt werden. Dies gilt gleichlautend für Welse, die in stehenden Gewässern <10ha gefangen werden. Das Umsetzten in andere Gewässer ist verboten.

In Sachsen-Anhalt ist die Vorgehensweise also klar. Der Wolgazander hat dort weder Schonzeit noch Mindestmaß und muss in jedem Fall entnommen werden. Das wird in vielen Gewässerordnungen anderer Bundesländer kaum anders aussehen.

 

Unterscheidungsmerkmale

Wenn die Entnahme (zumindest in manchen Bundesländern) Pflicht ist, ist eine sichere Unterscheidung zwischen Wolgazander und heimischem Zander nötig. Das Gute ist, eine Unterscheidung ist nicht wirklich schwer, da es mehrere eindeutige Merkmale gibt.

Das wichtigste und eindeutigste zuerst; das Fehlen der Hundszähne. Die Hundszähne sind das typische Merkmal unseres heimischen Zanders und genau diese verleihen ihm das typische Aussehen. Genau diese Hundszähne fehlen dem Wolgazander und machen daher eine Unterscheidung einfach.

Weitere Merkmale sind die sehr deutlichen Querstreifen, ein voll beschuppter Kiemendeckel (bei unserem Zander nur teilweise beschuppt) und die vergleichsweise großen Augen.

Eine sehr schöne bebilderte Auflistung der Merkmale findet ihr >hier<.

 

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