SHORTNEWS ?? Das Wachstum von Barschen & warum Tabellen nicht funktionieren

Regelmäßig tauchen in den sozialen Netzwerken Abbildungen auf, die zeigen, wie lang eine bestimmte Fischart nach einer bestimmten Anzahl an Jahren ist. Diese Grafiken werden immer rege kommentiert und geteilt.

Für mich ist das jedes Mal verwunderlich, weil das Wachstum von Fischen von so unglaublich vielen Faktoren abhängig ist. Nicht nur die Umweltparameter, sondern auch die Verhaltensweisen der einzelnen Individuen innerhalb der Population.

Sehr anschaulich wurde das jetzt für eine Barschpopulation im russischen See Urozero gezeigt. Da sich dieser See ungefähr auf dem 62. Breitengrad befindet, also ein ganzes Stück nördlich von uns (Oslo liegt auf dem 59. Breitengrad), kann man davon ausgehen, dass die Barsche ohnehin langsamer wachsen als in unseren Gewässern.

Jetzt könnte man natürlich alle Längen-Alter-Grafiken nur aus Deutschland betrachten und sich daran orientieren. Interessant ist aber, dass für den See Urozero zwei Typen von Barschen identifiziert wurden. Der eine Type ernährt sich zu circa 60% von Makroinvertebraten, 30% von Fisch und zu 10% von Plankton. Dieser Typ ist eher langsam wachsend. Der andere Typ ernährt sich zu 100% von Fisch (55% kleine Maräne, 35% andere Barsche und 10% Plötzen). Dieser Typ ist eher schnell wachsend.

Ein Phänomen, dass auch für andere Seen in Schweden gezeigt wurde, und sicher auch für viele unserer Seen zutreffend ist. Mehr Details dazu findet ihr hier.

Für die Barsche im See Uzero zeigte sich, dass der langsam wachsende Typ nach circa 6 Jahren 16 cm groß war und dann nur noch sehr langsam weiter gewachsen ist. Der schnellwachsende Typ war nach 6 Jahren knapp 20 cm groß und nach 10 Jahren über 30 cm groß.

Man sieht also deutlich, dass neben den Umweltbedingungen auch die Verhaltensweisen der einzelnen Individuen einen großen Einfluss auf das Wachstum haben können. Verallgemeinernde statistische Beziehungen zwischen der Länge und dem Alter eines Fisches sind entsprechend ungenau und geben im Extremfall nicht mal einen groben Hinweis.

Das ist eine Shortnews, welche wir mit unseren >WhatsApp News< versendet haben. Komplette Artikel & Angeltipps von Martin findest du >hier<

Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand Biologie mit thematischem Schwerpunkt auf Fließgewässerökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Angler für Angler!

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Quelle:

Ilmast, N.V., Sterligova, O.P. & Kuchko, Y.A. (2018) Ecosystem of Lake Urozero and Results of Introduction of New Fish Species into the Water Body. Russ J Biol Invasions 9: 345. https://doi.org/10.1134/S2075111718040069

 

Juni 23, 2019
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