SHORTNEWS 👉🏻 Der Hecht – Ein anpassungsfähiger Nahrungsspezialist in unseren Gewässern

Der Hecht ist sicher einer der beliebtesten Zielfische für Raubfischangler in Deutschland. Diese Beliebtheit liegt unter anderem begründet in der Vielseitigkeit der Gewässer, in denen der Hecht vorkommt. Hechte findet man vom kleinen Weiher, über den großen Natursee, den großen Fluss, bis hin zu den Boddengewässern der Ostsee. Das unglaublich breite Spektrum an Nahrungsorganismen, die der Hecht frisst, machen ihn zu einem erfolgreichen Jäger in diesen unterschiedlichen Lebensräumen. Trotz dieses breiten Spektrums gibt es jedoch klare Präferenzen, die zu kennen für unsere Köderwahl entscheidend sein können.

Das breite Nahrungsspektrum

Die Köderpalette in den Angelläden spiegelt es eigentlich gut wider, der Hecht attackiert fast alles, was ihm vors Maul kommt. In verschiedenen Untersuchungen konnte mehrfach gezeigt werden, dass Hechte neben Fischen, auch Wasserinsekten, Frösche, Schlangen, Krebse, Wasservögel und sogar Ratten und Mäuse fressen. Das deckt sich sicher mit den Erfahrungen vieler Angler. Eine kanadische Studie die bereits 1945 veröffentlicht wurde, fand Wasservögel bereits in Hechten ab einer Größe von 48 cm. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass Wasservögel wesentlich schlechter von den Hechten verdaut werden können, als Fische. Anscheinend hindert das die Hechte nicht daran Wasservögel zu attackieren und zu fressen. Eine weitere kanadische Studie aus dem Jahr 2006 hat gezeigt, dass sich Hechte, wenn sie in fischleere Gewässer eingesetzt werden, sehr schnell auf andere Beuteorganismen spezialisieren können. In den kanadischen Seen waren es zum Beispiel Egel, die von den größeren Hechten sehr effektiv bejagt wurden.

Fisch ist der klare Favorit

Trotz dieses breiten Nahrungsspektrums sind Fische natürlich die Hauptbeute von Hechten. Fast alle Fischarten, die in einem Gewässer vorkommen, inklusive den Hechten selbst, wurden schon in den Mägen von Hechten gefunden. Aber, lässt man Hechten die Wahl, zeigen sich klare Präferenzen. Eine schwedische Studie hat Hechte vor die Wahl gestellt: Rotaugen oder Brassen. Die Rotaugen wurden eindeutig von den Hechten als Beute bevorzugt! Da Hechte maulspaltenlimitierte Räuber sind (sie können kein Stück aus ihrer Beute herausbeißen) liegt die Vermutung nahe, dass die schlanke Körperform der Rotaugen zu dieser Präferenz geführt hat. Im Gegensatz zur Höhe, stellt die Länge der Beute für Hechte kaum ein Problem dar. Beutefische mit einer Länge von circa 70% der Länge des Hechtes, werden immer wieder in den Mägen gefunden. Einem 100 cm Hecht macht also ein 70 cm Hecht kaum Probleme, eine 70 cm Brasse (aufgrund der Höhe) schon eher. Derartige Informationen sollten wir unbedingt bei der Köderwahl für das Angeln auf Hecht berücksichtigen!

Weniger ist mehr

Trotz dieser Möglichkeiten haben verschiedene Studien immer wieder gezeigt, dass adulte Hechte bevorzugt Fische zwischen 10 und 15 cm fressen. Schon eine Studie von 1960 berichtete davon, dass Beutefische über 15 cm selten von den Hechten gefressen wurden. Eine neuere Studie aus den USA hat Daten zu Mageninhalten von tausenden von Hechten zusammengetragen und kam zu einem sehr ähnlichen Ergebnis. Selbst größte Hechte fressen immer wieder und sehr häufig relativ kleine Beutefische mit einer Länge um die 10 cm. Ob das daran liegt, dass diese Beutefischgröße besonders häufig in einem Gewässer vorkommt, oder ob Hechte diese Größe besonders effektiv bejagen können, kann ich nicht sagen. Das „Warum“ spielt aber für die Wahl unserer Köder zum Angeln auf Hecht glücklicherweise erst im zweiten Moment eine Rolle.

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Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand Biologie mit thematischem Schwerpunkt auf Fließgewässerökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Angler für Angler!

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Literatur
Venturelli, P. A., & Tonn, W. M. (2006).
Diet and growth of northern pike in the absence of prey
fishes: initial consequences for persisting in disturbance-prone lakes.
Transactions of the American Fisheries Society,135 (6), 1512-1522. Raat, A. J. (1988).
Synopsis of biological data on the northern pike: Esox lucius Linnaeus, 1758.
Food & Agriculture Org.
Gaeta, J. W., Ahrenstorff, T. D., Diana, J. S., Fetzer, W. W., Jones, T. S., Lawson, Z. J., …
& Vander Zanden, M. J. (2018).
Go big or… don’t? A field-based diet evaluation of freshwater piscivore and prey fish size relationships. PloS one,13 (3), e0194092.
Juni 13, 2019
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