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Martin ist Doktorand der Biologie & Ökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Angler für Angler!

Der Hering - Ein Gewinner des Klimawandels?

Die Heringssaison ist schon liegt dieses Jahr schon hinter uns, und obwohl ich kein wirklicher Fan der kleinen silbrigen Fische bin, kann ich trotzdem die Faszination hinter dieser Angelei gut nachvollziehen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Hering ebenfalls extrem interessant. Die letzten Meldungen zum Hering zeigen wie komplex Natur sein kann und wie schwer es ist Vorhersagen über mögliche Bestandsentwicklungen zu treffen.

Zu Beginn des Jahres habe ich das erste Mal vom sogenannten „Steinrogen“ gelesen. Wissenschaftler vom Thünen-Institut haben berichtet, dass der prozentuale Anteil der Heringsweibchen mit Steinrogen in diesem Jahr wesentlich höher liegt als normal. Hier zum Artikel.

Hering Angeln

Heringe im Netz (© Daniel Stepputtis/Thünen-Institut)

Die Ursache für das erhöhte Vorkommen des Steinrogens sehen die Wissenschaftler in den tiefen Temperaturen die erst spät im Winter (Januar Februar), also mitten in der Laichzeit der Heringe, aufgetreten sind. Die Folgen des relativ hohen Laichausfalls sind für den Hering kaum abzuschätzen, werden aber kaum positiv sein.

Und auch auf langer Sicht sieht es nicht rosig aus für den Hering. Aufgrund des Klimawandels und der immer wärmeren Boddengewässer und dem erhöhten Nährstoffeintrag durch die Landwirtschaft, kommt es auf den Laichplätzen des Herings zu vermehrtem Algenwachstum. Dieses Algenwachstum tötet viele der Eier ab. Laut Thünen-Institut schlüpfen die überlebenden Eier zu früh, sodass die jungen Heringe zu schnell ihren Nahrungsvorrat im Dottersack aufbrauchen. Das Zooplankton auf das sie dann angewiesen sind, steht so früh noch nicht zur Verfügung und die jungen Heringe sterben.

Soweit die Theorie. Und nun noch eine andere.

Interessanter weise, hat eine Studie vom GEOMAR nun festgestellt, dass der Hering möglicherweise von der Ozeanversauerung (hervorgerufen durch die Erwärmung des Ozeans) und der damit einhergehenden Veränderung ganzer Nahrungsketten möglicherweise auf langer Sicht profitieren könnte. >Zur Pressemitteilung<

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In der Studie vom GEOMAR wurde das gesamte Nahrungsnetz untersucht. Die Heringe wurden vom Ei an in verschiedenen Temperaturen aufgezogen und es wurde untersucht, wie sich die Tiere entwickeln. In einer vorangegangenen Studie konnte bereits gezeigt werden, dass Heringslarven relativ gut an eine Versauerung des Wassers angepasst sind. In den Nahrungsnetzversuchen hat die erhöhte Temperatur zu einer früheren Algenblüte geführt, die wiederum als Nahrungsgrundlage für die Heringslarven gedient hat.

An diesen Arbeiten von renommierten Instituten erkennt man deutlich wie komplex solche Zusammenhänge in der Natur sind und wie schwer sie daher zu verstehen und vorherzusagen sind. Auf der einen Seite führt die Erwärmung und Nährstoffanreicherung des Wassers zu einer verminderten Fekundität der Heringe. Außerdem sterben vermutlich mehr Eier durch Algenwachstum auf den Laichplätzen ab. Die Larven die aber überleben haben vielleicht auf langer Sicht einen Vorteil von der Erwärmung. Fraglich ist natürlich, ob der Verlust an Nachkommen durch die Vorteile für die übrigen Larven aufgewogen werden kann? Hier ist sicher noch Forschungsbedarf.

Es ist sicher die berufliche Fischerei die den Bärenanteil an Heringen fängt, aber auch für uns Angler ist es wichtig sich mit solchen Themen zu befassen. Nur wer die komplexen Zusammenhänge versucht zu verstehen, kann aktiv daran arbeiten die Situation zu verbessern oder zumindest zu stabilisieren. Dabei geht es nicht nur um den Hering, sondern um unsere heimischen Fische im Allgemeinen.

Quellen zu den originalen Artikeln:

Sswat, M., M. H. Stiasny, J. Taucher, M. Algueró-Muñiz, L. T. Bach, F. Jutfelt, U. Riebesell, C. Clemmesen (2018): Food web changes under ocean acidification promote herring larvae survival. Nature Ecology & Evolution. http://dx.doi.org/10.1038/s41559-018-0514-6

Sswat, M., M. H. Stiasny, F. Jutfelt, U. Riebesell, C. Clemmesen (2018): Growth performance and survival of larval Atlantic herring, under the combined effects of elevated temperatures and CO2. PLOS ONE, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0191947

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