Neues aus der Wissenschaft
Was bringt der Widerhaken und was nicht?

Einzelhaken oder Drilling was ist effektiver

Angeln mit Einzelhaken und ohne Widerhaken – wirklich Fischschonend?

Einzelhaken beim Spinnfischen – Wobbler im Fokus

Besonders die Angler, die regelmäßig mit Wobblern (Hardbaits) angeln, kennen das Problem nur zu gut, bereits Köder mit einer Länge von um die 10cm sind häufig mit 3 Drillingen ausgestattet. Aber auch kleinere Wobbler sind oft mit mindestens 2 Drillingen ausgestattet. In Zeiten, in denen Entnahmefenster und Catch and Release immer mehr in den Fokus der Anglerschaft geraten, aber natürlich auch, weil es schon immer Mindestmaße, Schonzeiten und ganzjährig geschütze Fischarten gab, findet man immer häufiger Beiträge, in denen gezeigt wird, wie man Drillinge gegen Einzelhaken austauscht, oder „normale“ Drillinge gegen widerhakenlose Drillinge ersetzt. Die Verfasser schwören häufig auf diese Manipulationen um möglichst fischschonend zu angeln, auch sei die Quote der Fische die im Drill verloren gehen, nicht höher als mit „normalen“ Haken.

Da für mich eine fischschonenden Angelei immer im Fokus steht, habe ich mich natürlich auch mit diesem Thema befasst, denn auch auch kenne die Fische, die gefährlich im Augenbereich gehakt sind, oder die ich abschlagen musste, einfach weil der Köder zu tief geschluckt war und ein Lösen des Hakens unmöglich war.

Generelle Antworten vs. Einzelbeobachtungen

Die Frage für mich ist dabei aber immer, ob man die Beobachtungen einzelner Angler auf die Masse der Angler übertragen kann. Antworten suche ich immer in wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit den entsprechenden Themen beschäftigt haben. Auch in diesem Fall habe ich mir einige Studien angeschaut, deren Ergebnisse ich kurz beschreiben werde, bevor ich ein abschließendes (auch für mich überraschendes) Fazit ziehen werde.

Die Salmonidenangler machen es vor

Bevor wir hier in die Details von einzelnen Untersuchungen einsteigen, soll gleich erwähnt werden, dass die meisten Studien zu diesem Thema an Forellen durchgeführt wurden. Und zwar nicht an einer speziellen Forellenart, sondern an vielen verschiedenen Forellenarten. Anscheinend haben die Salmonidenangler sich schon immer und überall für das Thema der fischschonenden Angelei (ohne Widerhaken) interssiert. Im Folgenden sind also viele der Ergebnisse auf Forellen bezogen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht. Forellen sind meist starke Kämpfer, die einen anspruchsvollen Drill liefern, bei dem das Verletzungsrisiko und die Aussteigergefahr entsprechend hoch sind. Was also für die Forellen gilt, gilt vermutlich auch für eine ganze Reihe anderer Fische und erst recht für die üblichen Verdächtigen, Barsch, Hecht und Zander.

Die erste Überraschung – Einzelhaken bringen keine Vorteil

Um einen Einstieg in das Thema zu bekommen, habe ich mir einen sogenannten „Review“ durchgelesen, also eine Zusammenfassung vieler verschiedener Studien. In dem Fall wurden Daten zu insgesamt 32 Fischarten zusammengestellt und untersucht, welche Faktoren die Sterblichkeit nach dem Fang beeinflussen. Gleich zu Beginn der Studie liest man:

Single hooks (especially when used in conjunction with natural baits) resulted in higher mortalities than treble hooks.“

Einzelhaken führen also, in Kombination mit Naturködern, zu höheren Sterblichkeiten, als Drillinge! Zunächst erstaunlich, aber im zweiten Anlauf auch recht einfach zu erklären, zumindest eine Theorie habe ich entwickelt. Beim angeln mit Naturködern werden die Köder natürlich viel tiefer geschluckt, bevor ein Anhieb erfolgt. Ein Drilling wirkt da vermutlich wie eine „Mini-Rachenklemme“ und verhindert oft das sehr tiefe Abschlucken des Köders.

oter Zander Elbe Magdeburg

Noch mehr Infos gefällig?!

 

Fischschonendes Angeln ist stark von Umweltfaktoren und der Fischart abhängig. Für mehr Infos zu diesem Thema verlinke ich euch hier nochmal die Artikel zu den Sterberaten von zurückgesetzten Fischen.

Zander

Barsch

Hecht

 

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Auch bei Kunstködern mit Einzelhaken kein besseres Ergebnis

Nun unterscheidet sich die Angelei mit Kunstködern sehr stark von der Angelei mit Naturködern und uns interessieren natürlich in erster Linie die Künstköder. Leider sehen hier die Ergebnisse nicht viel anders aus. In einem weiteren versuch wurde getestet, in wie weit Spinner mit Drillingen, „normalen“ Einzelhaken oder widerhakenlosen Einzelhaken das Verletzungsrisiko  von drei verschiedenen Forellenarten minimieren. Im Ergebnis zeigte sich, dass Anzahl der gefährlichen Verletzungen an den Augen sich nicht zwischen den Hakentypen unterschieden haben. Es gab also keinen „Schoneffekt“ durch die (widerhakenlosen) Einzelhaken!

Keine Unterschiede beim Abhaken – Der Einzelhaken (sogar ohne Widerhaken) bringt keinen Vorteil

Und auch in der Zeit, die benötigt wurde, um einen gefangenen Fisch vom Haken zu befreien, zeigten sich keine statistisch eindeutigen Ergebnisse.

Fangrate verringert durch (widerhakenlose) Einzelhaken

Was allerdings deutlich war, war die verringerte Fangrate (erhöhte Anzahl an Aussteigern).Mit widerhakenlosen Einzelhaken war die Anzahl an Aussteigern deutlich erhöht. Normale Einzelhaken haben besser abgeschnitten als die Einzelhaken, aber immer noch schlechter als die Drillinge.

Die Wissenschaftler schlussfolgerten daraus, dass biologisch gesehen, Schonhaken und Einzelhaken keinen Vorteil gegenüber normalen Drillingen haben.

Das Problem mit der Fangrate

Das Promlem mit den Aussteigern während des Drills scheint dabei recht ausgeprägt zu sein. Auch eine weitere Arbeit, die die Fangeffektivität von Trockenfliegen mit „normalen“ oder widerhakenlosen Haken untersucht hat, kam zu einem deutlichen Ergebnis. Insgesamt wurden in dem Versuch immerhin über 1600 Forellen gefangen. Es zeigte sich, dass mit „normalen“ Haken nur etwas mehr als zwei von zehn gehakten Forellen im Drill verloren ging. Im Vergleich dazu gingen bei widerhakenlosen Haken im Schnitt vier von zehn Forellen im Drill verloren. Das ist schon ein recht deutlicher Unterschied.

Kurzes Fazit

In diesem Beitrag habe ich nur auf ein paar wenige Studien Bezug genommen. Tatsächlich gibt es noch einige mehr, die zu immer ähnlichen Ergebnissen kommen.

1. Es gibt kaum einen Unterschied in Bezug auf die Sterblichkeit und Verletzungsgefahr.

2. Die Anzahl der Aussteiger ist in den meisten Studien mit widerhakenlosen Haken höher als mit „normalen “ Haken und das ist unabhängig von der Art des Köders (Naturköder oder Kunstköder).

Und 3., die Zeit die Abhaken eines gefangenen Fisches gebraucht wird, unterscheidet sich nur sehr unwesentlich zwischen widerhakenlosen Haken und „normalen“ Haken. Auch wenn es hier einen Unterschied zwischen Angeleinsteigern und sehr erfahrenen Anglern zu geben scheint.

Worauf kommt es dann eigentlich an

Viel wichtiger als der Typ des Hakens scheinen Faktoren wie Hakposition (Kiefer, Kiemen etc.) und Umweltparameter wie die Wassertemperatur für das Überleben der Fische nach dem Zurücksetzen zu sein. Das ist eine sehr spannende Information. Fische die bei warmen Wassertemperaturen in den Kiemen gehakt werden, sind quasi so gut wie tot, während die selbe Position des Hakens im Winter durchaus eine gute Überlebenswahrscheinlichkeit für den Fisch zur Folge haben kann. Darauf sollte man sich als Angler einstellen und seine Entscheidungen entsprechend abwägen.

Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

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Literatur:

[1] Maurice I. Muoneke & W. Michael Childress (1994) Hooking mortality: A review for recreational fisheries, Reviews in Fisheries Science, 2:2, 123-156.  
[2] DuBois, R. B., & Dubielzig, R. R. (2004). Effect of hook type on mortality, trauma, and capture efficiency of wild stream trout caught by angling with spinners. North American Journal of Fisheries Management, 24(2), 609-616.
[3] Bloom, R. K. (2013). Capture efficiency of barbed versus barbless artificial flies for trout. North American Journal of Fisheries Management, 33(3), 493-498.
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Januar 28, 2020
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