Neues aus der Wissenschaft
Faszination Wels

Der Wels (Silurus glanis) – Der größte heimische Raubfisch mit feinem Spürsinn

Worauf kommt es bei Kunstködern für das Angeln auf Wels eigentlich an?

 

Die Faszination Wels ist auch in Deutschland längst angekommen.

 


Hier geht es zu den 10 besten Wels-Gewässern in Deutschland.


 

Beim Spinnangeln auf Barsch, Zander und Hecht werden häufig Welse als Beifang erbeutet und Fische mit über zwei Meter Länge werden regelmäßig von Wels-Spezies gefangen. Nicht nur durch die schiere Größe der Welse, sondern auch durch ihre Verhaltensweisen und ihr Aussehen, lässt sich die Faszination Wels erklären.

 

Der Wels als selektiver Räuber, oder?

 


Taube, Lachs und Barschlaich stehen auf dem Speiseplan


 

Die Tauben jagenden Welse aus Frankreich haben in den sozialen Medien für Aufsehen gesorgt. Auch wissenschaftlich wurde dieses Phänomen genau betrachtet [1]. Andere Studien haben gezeigt, dass Welse ihr Bewegungsmuster den Laichwanderungen von Lachsen anpassen [2]. Aufsteigende Lachse werden dann gezielt in Fischtreppen bejagt, weil hier die Beutefischdichte am höchsten ist. Barschlaich gilt im Allgemeinen als sehr widerstandsfähig und es gibt kaum Fische, die den Laich von Barschen fressen. Eine Ausnahme bildet hier wieder der Wels, der sich, zumindest in frühen Lebensstadien und zur Laichzeit der Barsche, regelrecht auf diese Nahrungsquelle spezialisiert [3].

All das sind Paradebeispiele dafür, wie sich Welse neue Nahrungsquellen erschließen und wie spezialisiert ihr Jagdverhalten angepasst werden kann. Im selben Atemzug zeigen diese Beispiele aber auch, wie breit das Beutespektrum von Welsen ist. Neben Tauben, Lachsen und Barschlaich wurden natürlich noch eine Reihe weiterer Vogel- und Fischarten regelmäßig in Wels Mägen identifiziert [4]. Hinzu kommen Krebse, Egel und natürlich auch kleine Säugetiere wie Ratten und Mäuse. Mehr dazu findet ihr in einem ausführlichen Beitrag >hier<.

Das Alles kennt man auch vom Hecht, aber beim Wels ist das Vorkommen solcher Beute viel regelmäßiger fester Bestandteil der Überlebensstrategie. Genau das hat eine tschechische Studie sehr detailliert aufgezeigt [4]. Im direkten Vergleich zwischen Wels und Hecht zeigte sich sehr deutlich, dass der Anteil an nicht-aquatischer Nahrung bei Welsen wesentlich größer ist, als bei Hechten. Allerdings ist das nur dann der Fall, wenn die Welse darauf angewiesen sind. Ist genug Fisch vorhanden, wird Fisch eindeutig bevorzugt.

Das sehr breite Nahrungsspektrum und gleichzeitig die Fähigkeit zur extremen Spezialisierung zeichnen den Wels als unglaublich erfolgreichen Top-Prädator in unseren Gewässern aus. Sie erklären natürlich gleichzeitig auch, warum der Wels als invasive Art so erfolgreich in vielen Gewässern Frankreichs, Spaniens und Portugals ist.

 

Jagdeffektivität und die Bedeutung der Seitenlinie

 

Der Wels ist einfach ein erstaunlicher Räuber. Guckt man sich einen Wels an, fallen sofort die winzigen Augen im Vergleich zur Körpergröße auf. Der Wels ist kein Augenräuber wie der Barsch oder Hecht. Verschiedene Studien an Welsen (allerdings nicht an Silurus glanis) haben gezeigt, dass auch blinde Fische in der Lage sind sehr erfolgreich zu jagen (übrigens Hechte auch). Das Angeln auf Wels findet daher meist in der Nacht statt. Im völligen Dunkel spielt das Sinnesorgan, welches so charakteristisch für unsere Fischfauna ist, die Seitenlinie, ihr volles Potenzial aus. Weder Hecht, Barsch, noch Zander sind so sehr auf eine funktionierende Seitenlinie angewiesen wie der Wels. Vermutlich ist bei keinem anderen heimischen Räuber dieses Sinnesorgan so sensibel ausgeprägt.

Versuche haben gezeigt, dass Welse in der Lage sind kleinste Bewegungen des Wassers, ausgelöst durch zum Beispiel Schwimmbewegungen von Fischen, wahrzunehmen [5]. In Versuchen konnten bis zu 10 Sekunden „alte“ Bewegungen von Beutefischen noch detailliert wahrgenommen werden. Die Welse können ihrer Beute auch bei völliger Dunkelheit über sehr lange Strecken folgen. Umgerechnet konnten die Welse in den Versuchen einer 30 cm langen Beute circa 15 Meter weit folgen! Allerdings wurden im Versuch relativ kleine Welse und Beutefische verwendet. Es ist demnach nicht ausgeschlossen, dass diese Distanz mit zunehmender Beutegröße wieter ansteigt. Übrigens spielte der Geruchssinn bei der Lokalisierung und Verfolgung der Beute keine große Rolle.

 

Künstköder für Wels? Bewegung macht es!

 

Für uns Angler und für das Angeln auf Wels, haben diese Studien natürlich klare Konsequenzen. Die Kunstköder müssen unbedingt starke Vibrationen im Wasser erzeugen. Ob nun Blinker mit zusätzlichen Elementen, Gummifische mit ordentlich großem Schaufelschwanz, oder aber Spinner die ordentlich Druck unter Wasser erzeugen, es geht immer darum, die Seitenlinie des Welses anzusprechen. In Bezug auf die Größe des Kunstköders, bzw. die Größe der Beutefische von Welsen, haben Studien gezeigt, dass man beim Wels eigentlich kaum zu groß angeln kann. Fünfzehn Zentimeter lange Beutefische wurden bei Welsen um einen Meter Länge regelmäßig im Magen gefunden. Bei einer Größe der Welse von 120 Zentimetern und mehr, sind dann Beutefische von 20 Zentimeter die Regel, aber auch 30 Zentimeter große Beutefische sind kein Problem.

Tiefe

Der Wels braucht krach. Unsere anderen Räuber brauchen Farbe. Welche genau, findet ihr hier!

Barsch

Hecht

Forelle

Zander

Das ist eine Shortnews, welche wir mit unseren >WhatsApp News< versendet haben. Komplette Artikel & Angeltipps von Martin findest du >hier<

Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

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Quellen:

  1. Cucherousset, J., Boulêtreau, S., Azémar, F., Compin, A., Guillaume, M., & Santoul, F. (2012). “Freshwater killer whales”: beaching behavior of an alien fish to hunt land birds. PloS one, 7(12), e50840.
  2. Boulêtreau, S., Gaillagot, A., Carry, L., Tétard, S., De Oliveira, E., & Santoul, F. (2018). Adult Atlantic salmon have a new freshwater predator. PloS one, 13(4), e0196046.
  3. Vejřík, L., Vejříková, I., Kočvara, L., Sajdlová, Z., Šmejkal, M., Peterka, J., & Čech, M. (2017). Thirty-year-old paradigm about unpalatable perch egg strands disclaimed by the freshwater top-predator, the European catfish (Silurus glanis). PloS one, 12(1), e0169000.
  4. Vejřík, L., Vejříková, I., Blabolil, P., Eloranta, A. P., Kočvara, L., Peterka, J., … & Čech, M. (2017). European catfish (Silurus glanis) as a freshwater apex predator drives ecosystem via its diet adaptability. Scientific reports, 7(1), 15970.
  5. Pohlmann, K., Grasso, F. W., & Breithaupt, T. (2001). Tracking wakes: the nocturnal predatory strategy of piscivorous catfish. Proceedings of the National Academy of Sciences, 98(13), 7371-7374.
  6. Pohlmann, K., Atema, J., & Breithaupt, T. (2004). The importance of the lateral line in nocturnal predation of piscivorous catfish. Journal of Experimental Biology, 207(17), 2971-2978.
  7. Didenko, A. V., & Gurbyk, A. B. (2016). Spring diet and trophic relationships between piscivorous fishes in Kaniv Reservoir (Ukraine). Folia Zoologica, 65(1), 15-27.
Oktober 4, 2019
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