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Fischbesatz durch Vögel, Insekten Menschen

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Fischbesatz: Wie kommen die Fische in unsere Gewässer?

Seit ich ein kleiner Junge war und die ersten Fische in einem kleinen Tümpel gefangen habe, war mir klar, dass eigentlich nur Vögel die Fische dorthin gebracht haben konnten. „Indirekter“ Fischbesatz also. So klar wie mir das war, ist es auch anderen Anglern und Wissenschaftlern schon immer gewesen. Aber wie so häufig sind die einfachsten Erklärungen nicht immer die richtigen, oder zumindest nicht die, die am besten belegt sind. So ist es auch mit dem indirekten Fischbesatz durch Vögel.

Indirekter Fischbesatz durch Vögel: Kaum wissenschaftliche Belege

Bereits vor einigen Jahren habe ich einen kurzen Artikel zu diesem Thema an anderer Stelle geschrieben. Diesen und viele andere Artikel findet ihr übrigens auf meiner Webseite und Neuigkeiten zu aglerisch interessanten wissenschaftlichen Arbeiten bekommt ihr immer auf meinem Instagram Account (@martin_fishscience). In diesem Artikel ging es um eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2018 [1]. Die Wissenschaftler wissenschaftliche Arbeiten nach Belegen für die Hypothese durchsucht, ob Vögel Fischeier transportieren können, also für ungewollten Fischbesatz verantwortlich sein könnten.

Viel Glauben, wenig Beweise

Der Glaube, dass Fischeier durch Vögel transportiert werden können, ist sowohl bei Wissenschaftlern, wie auch bei Laien extrem weit verbreitet. Angetrieben wird dieser Glaube meist daher, dass es gute Untersuchungen dazu gibt, dass Wasserinsekten und deren Dauerstadien und Eier durch Vögel von einem Gewässer zum anderen transportiert werden können [2]. Zu dem spezifischen Thema, Fischbesatz durch Vögel, konnte zu diesem Zeitpunkt allerdings kein einziger wissenschaftlicher Beweis gefunden werden. Es war also eine reine Theorie, die noch völlig unerforscht war.

Fischbesatz DURCH Vögel im wahrsten Sinne des Wortes

Allerdings ist seit dieser Arbeit nun auch schon wieder einige Zeit vergangen und es gibt interessante Neuigkeiten! Im Jahr 2019 wurde eine Studie veröffentlicht, die gezeigt hat, dass die Eier von Zahnkarpfen (Austrolebias sp.) noch völlig intakt sind, nachdem sie von Schwänen gefressen und wieder ausgeschieden wurden [3]. Versuche haben gezeigt, dass Larven erfolgreich aus Eiern schlüpfen können, die bis zu 30 Stunden (!) im Schwan gewesen sein können. Das ist natürlich genug Zeit, um die Eier in einem Gewässer zu fressen und sie an einem anderen wieder auszuscheiden! Die Fischeier kommen also nicht am, sonder im Vogel von Gewässer zu Gewässer. Ein deutlicher Hinweis auf indirekten Fischbesatz durch Vögel.

Fischbesatz durch Vögel

Indirekter Fischbesatz: Insekten sind die besseren Vögel

Ganz aktuell und auch der Grund, warum ich dieses Thema nochmals aufgegriffen habe, ist allerdings eine Studie aus Japan, die zeigt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die Eier von Karpfen mit Hilfe von Insekten von einem Gewässer zum nächsten transportiert werden [4]. In einem kleinen Gewässer auf der Insel konnten die Wissenschaftler einen Wasserskorpion (Ranatra chinensis) beobachten and dem Laich von einem Karpfe klebte. Da die Wasserskorbione fliegen können und regelmäßig von Gewässer zu Gewässer wechseln, ist es natürlich nicht unwahrscheinlich, dass so auch Fischeier des Karpfens (und möglicherweise auch andere Fische) ebenfalls transportiert werden. Wirklich erstaunlich, Fischbesatz durch Insekten.

Fischbesatz durch den Menschen

Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Fische durch Vögel oder Insekten verbreitet werden. Betrachtet man allerdings ein paar Zahlen zum Thema Fischbesatz, wird schnell klar, dass der Mensch der wesentliche Faktor bei diesem Thema ist. Für viele Fischarten ist Fischbesatz sicher sinnvoll (Äsche, Europäischer Aal etc.), für viele andere Fischarten ist er das allerdings weniger und hat große Konsequenzen für unserer Gewässer. Eine Studie um die Gruppe von Robert Arlinghaus konnte zeigen, dass von Anglern bewirtschaftete Baggerseen zwar eine höhere Artenvielfalt aufweisen, als nicht bewirtschaftete Baggerseen, aber, die Diversität zwischen den einzelnen Baggerseen stark abnimmt [5]. Das heißt, betrachtet man einen Baggersee, führt die Bewirtschaftung durch Angelvereine zwar zu einer Erhöhung der Biodiversität, was auch logisch ist, weil viele anglerisch interessante Fischarten besetzt werden. Gleichzeitig wird aber in jedem Baggersee das gleiche besetzt und somit gleicht ein Baggersee dem anderen. Diese Homogenisierung des Arteninventars ist ein naturschutzfachlich großes und globales Problem.

Fischbesatz durch Menschen auch in Amerika

Eine amerikanische Studie konnte zeigen, dass die aktive Verbreitung von anglerisch interessanten Fischarten durch den Menschen einen größeren Effekt in Bezug auf die Homogenisierung der Gewässer hatte, als der Klimawandel und die damit steigenden Temperaturen [6]. Fischbesatz ist ein sehr kontroverses Thema und ich wundere mich immer wieder, wie selbstverständlich Fischbesatz an fast jedem Gewässer in Deutschland durchgeführt führt. Aber das ist ein anderes Thema…

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Fischbesatz durch Wasserskorpion

Karpfen-Ei am Wasserskorpion – Fischbesatz durch Insekten

Abbildung aus:

Suetsugu, K., & Togashi, Y. (2020). Flying carp eggs. Frontiers in Ecology and the Environment, 18(1), 9-9.

 

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Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

Literatur:

1. Hirsch, P. E., N’Guyen, A., Muller, R., Adrian‐Kalchhauser, I., & Burkhardt‐Holm, P. (2018). Colonizing Islands of water on dry land—on the passive dispersal of fish eggs by birds. Fish and fisheries, 19(3), 502-510.

2. Green, A. J., & Figuerola, J. (2005). Recent advances in the study of long‐distance dispersal of aquatic invertebrates via birds. Diversity and Distributions, 11(2), 149-156.

3. Silva, G. G., Weber, V., Green, A. J., Hoffmann, P., Silva, V. S., Volcan, M. V., … & Maltchik, L. (2019). Killifish eggs can disperse via gut passage through waterfowl. Ecology, 100(11), e02774.

4. Suetsugu, K., & Togashi, Y. (2020). Flying carp eggs. Frontiers in Ecology and the Environment, 18(1), 9-9.

5. Matern, S., Emmrich, M., Klefoth, T., Wolter, C., Nikolaus, R., Wegener, N., & Arlinghaus, R. (2019). Effect of recreational‐fisheries management on fish biodiversity in gravel pit lakes, with contrasts to unmanaged lakes. Journal of fish biology, 94(6), 865-881.

6. Cazelles, K., Bartley, T., Guzzo, M. M., Brice, M. H., MacDougall, A. S., Bennett, J. R., … & Nilsson, K. A. (2019). Homogenization of freshwater lakes: Recent compositional shifts in fish communities are explained by gamefish movement and not climate change. Global change biology, 25(12), 4222-4233.

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März 10, 2020
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