Frag Martin: Wo finde ich den Hecht?

Frage eines MyFishingBoxers:
Bis jetzt war ich noch erfolglos beim Spinnangeln und ich frage mich wo ich den Hecht finde?
Mich interessiert, was sind gute Spots (Schilf,Flach,Tief, unter Bäumen)?

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Unter allen eingesendeten Fragen, habe ich mir diese Frage nicht ohne Grund ausgesucht um sie als eine der Ersten zu beantworten. Eine sehr ähnliche Fragestellung habe ich vor einigen Jahren im Rahmen meiner Bachelor Arbeit im Besatzfisch Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Robert Arlinghaus bearbeitet.

Tatsächlich haben sich schon sehr viele wissenschaftliche Arbeiten zuvor mit diesem Thema beschäftigt, daher kann ich hier natürlich nur auf eine kleine Auswahl an Literatur eingehen. Im Großen und Ganzen sind die Ergebnisse der verschiedenen Arbeiten aber auch ziemlich konsistent.

Hechte sind vor allem zur Fortpflanzung und als Larven auf Vegetation angewiesen. Bry(1996) hat den damaligen Stand der Wissenschaft zur Bedeutung der Vegetation für den Hecht in einem Kapitel des Buches “Pike: Biologyandexploitation.” zusammengefasst. Besonders als Laichhabitat ist Vegetation enorm wichtig, und für die geschlüpften Hechtlarven ist Vegetation essentiell, nicht zuletzt um sich vor Räubern zu schützen.

Aber schon in diesem Buchkapitel wird deutlich, dass die Bindung zur Vegetation mit zunehmender Fischgröße geringer wird, und es wird ebenfalls erwähnt, dass zu dichte Vegetation Hechte bei der Jagd behindern kann. Eine von Chapman und Mackay(1984) durchgeführte Studie zeigte ein ähnliches Muster.

Während kleinere Hechte (kleiner als 25 cm) fast ausschließlich in den dicht bewachsenen, flacheren Bereichen (bis zu 4 m Tiefe) eines Sees zu finden waren, wurden größere Hechte (größer als 25 cm) auch in vegetationsfreien, tieferen Bereichen des Sees angetroffen. Cook und Bergersen(1988) konnten in einer von ihnen durchgeführten Studie ebenfalls zeigen, dass Hechte in einem Gewässer wesentlich häufiger die vegetationsreichen Gebiete aufsuchen, als dies bei zufälliger Verteilung der Fische im Gewässer zu erwarten gewesen wäre. Außerdem konnten sie feststellen, dass, als es im zweiten Untersuchungsjahr ein erhöhtes Pflanzenwachstum im Gewässer gab, die Hechte ihre Standortwahl entsprechend anpassten. Das heißt, als es nun auch mehr Pflanzen in tieferen, und weiter von der Uferlinie entfernten Bereichen des Sees gab, wurden auch die Hechte häufiger in diesen Bereichen widergefangen.

Alexander Kobler (2007) hat in seiner Diplomarbeit, auch betreut von Prof. Dr. Robert Arlinghaus, drei unterschiedliche Hechttypen nach Habitatwahl unterschieden. Als „Krautspezialisten“ wurden Hechte beschrieben, die sowohl tags, als auch nachts überwiegend in submersen, also untergetauchten, Pflanzen zu finden waren, die „Schilfspezialisten“ waren vornehmlich mit Schilf und anderen aus dem Wasser herausragenden Pflanzen assoziiert, und die „Habitatgeneralisten“ waren sowohl im Pflanzenbewuchs, als auch (vornehmlich nachts) in der Freiwasserzone des Gewässers anzutreffen. „Krautspezialisten“ und „Schilfspezialisten“ waren nur äußerst selten in der Freiwasserzone des untersuchten Gewässers anzutreffen.

Als Fazit kann man wohl sagen, dass wenn man irgendeinen Hecht fangen möchte, sind flache (2 bis 4 m Tiefe), vegetationsreiche (allerdings nicht extrem verkrautete) Bereiche eines Gewässers erste Wahl, möchte man größere Hechte fangen, kann ein Versuch im Freiwasser lohnen, bei der Freiwasserangelei angelt man auch gleichzeitig selektiv auf größere Fische, da kleinere Hechte nur äußerst selten diese Bereiche eines Gewässers aufsuchen. Allerding sollte man immer bedenken, dass mit zunehmender Größe der Hechte die Standorttoleranz in Bezug auf Tiefe und Vegetationsdeckung (Komplexität) des Standorts zunimmt. Dies bedeutet für uns, dass die Hechte in größeren Bereichen des Gewässers verteilt sein können, was die Antreffrate mit unseren Ködern verkleinern kann. Weiterhin gilt es zu beachten, dass Hechte sehr häufig, besonders wenn sie in Fresslaune sind, in der Nähe ihrer potenziellen Beute anzutreffen sind, dabei sind sie allerdings, als klassische Lauerräuber (Casselmann, 1996), immer auf ein wenig Deckung für die erfolgreiche Jagd angewiesen sind.

Übrigens hat eine neue Studie von Robert Arlinghaus und Mitarbeitern (2016) gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit mit Gummifisch einen Hecht zu fangen größer ist, als mit einem Blinker, aber dazu schreibe ich in einem anderen Bericht mehr.

Quellen:

Arlinghaus, R., Alós, J., Pieterek, T., & Klefoth, T. (2016). Determinants of angling catch of northern pike (Esox lucius) as revealed by a controlled whole-lake catch-and-release angling experiment—The role of abiotic and biotic factors, spatial encounters and lure type. Fisheries Research. doi:10.1016/j.fishres.2016.09.009

Bry, C. (1996). Role of vegetation in the life cycle of pike. In J. Craig, F. (Ed.), Pike: Biology and exploitation. London: Chapman & Hall.

Casselmann, J., M. (1996). Age, Growth and environmental requirements of pike. In J. Craig, F. (Ed.), Pike: Biology and exploitation. London: Chapman & Hall.

Chapman, C., A., & Mackay, W., C. (1984). Direct observation of Habitat Utilization by Northern Pike. Copeia, 1984(1), 255- 258.

Cook, M. F., & Bergersen, E. P. (1988). Movements, Habitat Selection, and Activity Periods of Northern Pike in Eleven Mile Reservoir, Colorado. Transactions of the American Fisheries Society, 117(5), 495-502. doi:10.1577/1548-8659(1988)117<0495:mhsaap>2.3.co;2

Kobler, A. (2007). Habitatwahl und Aktivität des Hechtes (Esox lucius L.) im Kleinen Döllnsee- Eine radiotelemetrische Untersuchung. (Diplomarbeit), Universität Hohenheim und Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Berlin. Diplomarbeit.

Martin Friedrichs

Student der Biologie mit Schwerpunkt Gewässerökologie

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September 28, 2016

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