gesalzene Gummifische beim Angeln

Savage Gear Köder

Martin ist Doktorand der Biologie & Ökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Angler für Angler!

Ionenkonzentrationen im Fisch & gesalzene Kunstköder

In den vorigen Berichten lag der Fokus auf aromatisierten Ködern. Aus purem Interesse habe ich mir anschließend die Frage gestellt, was es eigentlich mit gesalzenen Ködern auf sich hat.

In den vorigen Berichten lag der Fokus auf aromatisierten Ködern. Aus purem Interesse habe ich mir anschließend die Frage gestellt, was es eigentlich mit gesalzenen Ködern auf sich hat. Nun ist es bei diesem Thema relativ offensichtlich, dass sich die Wissenschaft kaum damit in einer Wiese auseinandersetzt, die für uns Angler eine Rolle spielen könnte. Daher habe ich versucht mich in diesem Bericht etwas allgemeinerer dieser Fragestellung zu nähern.

Für unsere Ernährung ist Salz essentiell, zu viel davon ist allerdings schädlich. Bei Fischen ist das ähnlich, sie sind auf Salz in ihrer Nahrung angewiesen.

Prinzipiell geht es dabei um die Osmoregulation und dem Problem, dass sich die Ionenkonzentrationen im Fisch von den Konzentrationen im Lebensraum Wasser unterscheiden. Fische müssen also, um ihre physiologische Funktion ihres Körpers aufrechtzuerhalten, dafür sorgen, dass die Konzentrationen gelöster Stoffe in ihren Zellen weder zu hoch noch zu niedrig sind und diese möglichst konstant bleiben. Manche Ionen gelangen passiv in und aus dem Fisch, andere Ionen werden aktiv und unter Aufwendung von Energie über Membranen transportiert. Bei Fischen vollzieht sich die Osmoregulation neben den Kiemen, Haut, und Harnblase auch über deren Eingeweide, wobei für Letzteres die Nahrungsaufnahme eine wichtige Rolle spielt.

 

Fische im Salzwasser

Im Salzwasser sind die Ionenkonzentrationen (1000 mosmol) deutlich höher, als die Konzentrationen im Fischkörper (250 – 500 mosmol). Vereinfacht ausgedrückt verhält sich der Fisch im Salzwasser wie eine Weintraube im Salz, sie verliert Wasser und nimmt Salz auf. Damit Salzwasserfische nicht als Rosinen enden und ihre interne Konzentration an gelösten Stoffen aufrechterhalten, müssen sie viel Wasser trinken, um den Flüssigkeitsverlust zu kompensieren; aktiv Ionen über die Kiemen abtransportieren; und konzentrierten salzigen Urin ausscheiden. Der Einsatz von gesalzenen Ködern wird sehr wahrscheinlich nicht den gewünschten zusätzlich Reiz bei Meeresfischen hervorrufen, da Ionen bereits im Überfluss vorhanden sind.

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Fische im Süßwasser

Ionenkonzentrationen im Süßwasser (ca. 1 mosmol) liegen um ein vielfaches unter den im Fischkörper vorherrschenden Konzentrationen (250 – 500 mosmol), wodurch Süßwasserfische einen hohen Bedarf an Ionen wie Na+, K+ und Cl haben, um diesen Unterschied auszugleichen. Dieses Konzentrationsgefälle führt dazu, dass Süßwasserfische Ionen über das Kiemengewebe, die Haut und die Nahrung aufnehmen und verdünnten Urin ausscheiden. Die aktive Aufnahme von Ionen ist mit einem gewissen Energieaufwand verbunden, welcher Fischen erspart bleibt, falls sie ionenreiche, z. B. salzige (NaCl) Nahrung finden. Dabei könnten gesalzene Köder den Fischen eine ideale und dadurch begehrte Nahrung suggerieren. Es ist also denkbar, dass gesalzene Gummiköder mit weniger Scheu aufgenommen werden und vielleicht so etwas länger im Maul festgehalten werden. Dieses längere Festhalten des Köders könnte so möglicherweise unseren Fangerfolg steigern. Soweit die Theorie. In der Praxis hat allerdings eine Studie gezeigt, dass zumindest Forellen im Süßwasser viel mehr als die minimal benötigte Salzmenge bereits durch ihre Nahrung aufnehmen (Smith et al., 1989). Nun ist es nicht sicher, ob das bei anderen Fischarten auch der Fall ist und es bleibt zumindest fraglich, ob gesalzene Köder in dieser Hinsicht wirklich Sinn machen, oder ob sie nur den Angler fangen.

 

Salz plus Aromen

Nun sind die meisten Köder aromatisiert UND gesalzen. Das heißt, dass bei der „Entwicklung“ dieser Köder vermutlich nicht die metabolischen Vorteile für Fische im Süßwasser im Vordergrund gestanden haben. Die Idee ist vermutlich ganz simpel, Salz wirkt beim Menschen als Geschmacksverstärker (Liem et al., 2011), also ist das bei Fischen auch so! Wir alle kennen sicherlich Glutamat, das Salz der Glutaminsäure, als Geschmacksverstärker, aber auch „normales“ Salz (Natriumchlorid) wirkt beim Menschen Geschmacksverstärkend. Ob dies allerdings bei Fischen ebenfalls der Fall ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen!

Abschließend muss ich sagen, dass ich mir nicht sicher bin, ob Salz auf Ködern irgendeinen Vorteil für uns Angler haben kann. Da wäre sicher mal ein direkter Vergleich interessant, oder eure eigenen Erfahrungen.

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Literatur

Liem, D. G., Miremadi, F., & Keast, R. S. (2011). Reducing sodium in foods: the effect on flavor. Nutrients, 3(6), 694-711. doi:10.3390/nu3060694

Smith, N., Talbot, C., & Eddy, F. (1989). Dietary salt intake and its relevance to ionic regulation in freshwater salmonids. Journal of Fish Biology, 35(6), 749-753.

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Januar 20, 2018
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