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MARTIN FRIEDRICHS

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Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz.

Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt.

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Faktor Hakengröße - Wie schnell lernen Karpfen?

Ich und Karpfen? Naja ab und an…

Karpfenbeiträge vom mir sind eher selten hier im Newsroom bei MyFishingBox. Wenn es aber Beiträge zu den Rüsslern gibt, haben die es in sich! Schaut euch auch >hier< unbedingt den Artikel zum Anfüttern auf Karpfen an! Super spannend und extrem lehrreich.

In dem jetzigen Artikel geht es um die Hakvermeidung bei Karpfen und die Frage nach der richtigen Hakengröße zum Karpfenangeln. Außerdem schauen wir, wie schnell Karpfen lernen unseren Hakenködern aus dem Weg zu gehen!

Der Karpfen als dumme Fressmaschine

Wenn ich mir die Karpfen aus verschiedensten Printmedien oder Internetplattformen ansehe, habe ich sofort das Bild vom gefräßigen Wasserschwein im Kopf. Bisschen Futter ins Wasser, Montage rauf und früher oder später beißt schon ein Karpfen. Doch das ist nur, wenn überhaupt, die halbe Wahrheit. Zwar funktioniert das Anfüttern auf Karpfen wunderbar und viele Karpfen werden sehr häufig gefangen und haben teilweise sogar schon Namen, allerdings sind das Ausnahmen und vermutlich spielen andere Gründe als Dummheit eine wesentliche Rolle für die häufigen Wiederfänge. Karpfen lernen nämlich extrem schnell unsere Hakenköder zu meiden, allerdings liegt dabei die Vermutung nahe, dass es gravierende Unterschiede zwischen Spiegelkarpfen und Schuppenkarpfen gibt. Daher stellt sich doch für jeden Karpfenangler die Frage: „Wie viele der Karpfen im Gewässer fangen wir gar nicht, oder vielleicht nur einmal?“ Diese „schlauen“ Fische sind doch das wirklich reizvolle Ziel, oder?

Spiegelkarpfen sind eine lohnende Beute. Welche Rolle spielt die Hakengröße?

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Karpfen sind clever

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die Fangbarkeit von Karpfen nachdem sie einmal gefangen wurden dramatisch sinkt [1] und obwohl in einem extrem gut besetzten Gewässer (600kg Karpfen/ha) geangelt wurde, wurden nur verhältnismäßig wenige Fische überhaupt einmal gefangen. Noch weniger Fische wurden ein zweites Mal gefangen. Es gab natürlich auch Ausnahmen in Form von Fischen, die bis zu fünf Mal gefangen wurden. Weiterhin zeigte sich, dass die häufig gefangenen Karpfen eine größere Wachstumsrate aufwiesen, als die weniger häufig gefangenen Artgenossen. Der Effekt der „Fangvermeidung“ konnte nach einem Jahr nicht mehr nachgewiesen werden,stellte sich dann aber nach einem erneuten Hakerlebnis sofort wieder ein.

Schuppenkarpfen sind cleverer als Spiegelkarpfen? Ansichtssache…

In einer aktuelleren Studie wurde die Fangbarkeit von Schuppen und Spiegelkarpfen verglichen [2]. Unabhängig von der Zuchtform wurde auch hier ein deutlicher Rückgang der Fangbarkeit über die Angeldauer beobachtet. Dies könnte ein Hinweis auf eine erlernte „Fangvermeidung“ sein. Zusätzlich zeigte sich, dass Spiegelkarpfen im Vergleich häufiger gefangen wurden als Schuppenkarpfen. Die Autoren führten diese Beobachtung auf die im Vergleich höheren Mengen an Nahrung, welche die Spiegelkarpfen aufnahmen und auf das aggressivere Fressverhalten der Spiegelkarpfen zurück.

Schuppenkarpfen, welche Rolle spielt die Hakengröße?

Schuppenkarpfen aus der Jugendzeit

Während des Schreibens dieses Artikels habe ich mir ein paar alte Bilder angeschaut. Diesen Schuppenkarpfen fand ich damals schon klasse, weil er aus einem kleinen Teich kam, in dem eigentlich nur Satzkarpfen zu fangen sein sollten. Der mittelgroße Schuppenkarpfen war eine schöne Überraschung. Die Hakengröße mit der ich damals diesen Schuppi gefangen habe, weiß ich leider nicht mehr….

Kleiner Anreiz… neue Wege sind Trumpf

Diese beiden Arbeiten lassen vermuten, dass Karpfen sehr schnell lernen unseren Ködern und Haken aus dem Weg zu gehen. Entsprechend ist es alles andere als einfach, alle Karpfen eines Gewässers zu fangen. Ich glaube deswegen liest man immer wieder von Karpfen, die zum ersten Mal in einem Gewässer gefangen wurden, obwohl dieses schon seit Jahren teilweise intensiv beangelt wird. Das erhöht doch den Reiz mal eine völlig neue, als „unproduktiv“ abgestempelte Stelle im Gewässer zu befischen ungemein, oder? Vielleicht lauert hier ein Fisch, den ihr zum ersten Mal überhaupt fangt!

Faktor Hakengröße

Was könne wir Angler nun aber tun, um mehr und regelmäßiger Karpfen zu fangen? Eine Stellschraube ist definitiv die Hakengröße! Intuitiv habe ich geglaubt, dass Haken mit einer größeren Hakengröße mehr Karpfen an Land bringen sollten. In einer Studie konnte ich aber nun genau das gegenteilige Ergebnis lesen [3]. In der Vergleichsstudie  konnte gezeigt werden, dass auf Hakengröße 6 im Vergleich zur Hakengröße 1, nicht nur im Durchschnitt mehr, sondern auch größere Karpfen gefangen wurden. Hinzu kommt, dass es zwischen den Hakengrößen keinen Unterschied in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit gibt, dass der Karpfen nach dem Fang ernsthaft verletzt wird. Man muss natürlich dazu sagen, dass kein Karpfen tief im Schlund gehakt wurde (es wurde mit Festbleimontage geangelt), was für die generell schonende Art
dieser Angelei spricht.

PODCAST`S MIT MARTIN FRIEDRICHS-MANTHEY

 

Literatur (Auswahl):

[1] Raat, A. J. P. (1985). Analysis of angling vulnerability of common carp, Cyprinus carp/0 L., in catch‐and‐release angling in ponds. Aquaculture Research, 16(2), 171-187.

[2] Klefoth, T., Pieterek, T., & Arlinghaus, R. (2013). Impacts of domestication on angling vulnerability of common carp, C yprinus carpio: the role of learning, foraging behaviour and food preferences. Fisheries Management and Ecology, 20(2-3), 174-186.

[3] Rapp, T., Cooke, S. J., & Arlinghaus, R. (2008). Exploitation of specialised fisheries resources: The importance of hook size in recreational angling for large common carp (Cyprinus carpio L.). Fisheries Research, 94(1), 79-83.

MARTIN FRIEDRICHS-MANTHEY

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

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