Neues aus der Wissenschaft
Invasive Arten in unseren Gewässern

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Invasive Arten – Eine zunehmende Gefährdung für unsere Fischfauna

Regelmäßig findet ihr hier auf hier Beiträge von mir, die sich mit dem Themengebiet „invasive Arten“ beschäftigen.
Zum Beispiel kürzlich der Beitrag über den Sonnenbarsch >hier<. Einen über Silberkarpfen, ein sehr invasive Fischart in den USA >hier<. Aber auch generelle Beiträge über die Gefefahr, die für heimische Fischarten von invasiven Fischarten ausgeht >hier<.
Das alles sind sehr spezifische Beiträge. In diesem Beitrag sollen folgende Grundlagen geklärt werden:
1. Was ist überhaupt eine heimische Fischart?
2. Was ist eine invasive Fischart?
3. Welche Auswirkungen haben invasive Fischarten auf unsere heimischen Fischarten?
4. Welche Rolle spielen wir als Angler bei der Verbreitung von invasiven Fischarten?
Wann ist eine Fischart „heimisch“?

Um heimische Arten definieren zu können, muss man sich klar machen, dass es für diese Einschätzung unerlässlich ist, den Bezugsrahmen festzulegen. Es macht einen großen Unterschied, ob ich vom Dorfteich nebenan, von der Weser oder von Deutschland im Ganzen spreche. Meine Betrachtungen sind nachfolgend immer auf ganz Deutschland bezogen.

Also, eine heimische Art in Deutschland zeichnet sich dadurch aus, dass sie:

1. ihr Verbreitungs- oder Wandergebiet ganz oder teilweise in Deutschland hat oder dies zumindest in historischer Zeit hatte,

oder

2. ihr Verbreitungsgebiet sich auf natürliche Weise, d.h. ohne die Aufhebung einer natürlichen Ausbreitungsbarriere, nach Deutschland ausgedehnt ha,

oder

3. sie vor 1492 in Deutschland eingebracht wurde.

Diese Definition habe ich aus diesem Bericht vom Bundesamt für Naturschutz übernommen.

Wann ist eine Fischart invasiv?
Natürlich ist diese Frage, genau wie die vorhergehende, von der betrachteten Bezugseinheit abhängig. Wir bleiben also bei Deutschland als Ganzes. Hinzu kommt allerdings, dass nicht jede nicht-heimische Art auch gleich als invasiv gilt. Im folgenden Text setze ich entsprechend das „invasiv“ in Anführungszeichen.
Wann wird eine Art invasiv? – Vier wichtige Schritte
1. Eingeschleppt werden
Eine wissenschaftlich gültige Klassifikation geht von verschiedenen Hindernissen aus, die eine „invasive“ Art überwinden muss, um letztendlich als wirklich invasiv zu gelten. Das bedeutet erstmal, dass bei weitem nicht jede eingeschleppte Art in Deutschland auch invasiv wird. Um aber invasiv zu werden, ist das „Eingeschleppt“ werden, eine der ersten Hürden, die die Art zu meistern hat. Das macht Sinn, wenn die Art nicht zu uns gelangt, kann sie auch nicht invasiv werden. Wichtig dabei ist, dass dies auf direkte oder indirekte Weise durch den Menschen möglich gemacht wurde.
2. Überleben
Als nächstes muss die „invasive“ Art im neuen Gebiet zu überleben. Viele „invasive“ Arten überleben zum Beispiel den Sommer bei uns sehr gut, sterben aber im Winter. Eine solche Art gilt nicht als wirklich invasiv, da sie keinen Schaden verursachen kann.
3. Etablieren
Hat die Art bei uns überlebt, ist der nächste Schritt die Etablierung von stabilen selbstreproduzierenden Populationen. Viele „invasive“ Arten scheitern an diesem Punkt. Ein anglerspezifisches Beispiel sind hier die Graskarpfen und Mamorkarpfen. Diese Arten überleben zwar bei uns, sie schaffen es aber nicht stabile Populationen zu erhalten.
4. Ausbreitung
Und die letzte Hürde, die eine „invasive“ Art überwinden muss, um als wirklich invasiv zu gelten, ist die Ausbreitung. Das heißt, dass die invasive Art nicht nur in dem Gebiet in dem sie eingeschleppt wurde überlebt und sich reproduziert, sie muss sich auch aktiv ausbreiten und neue Gebiete erobern.  In diesen neuen Gebieten muss sie dann wieder die vorigen Hindernisse überwinden usw. usw.
(5. Der Schaden)
Manchmal wird bei der Definition von invasiven Arten noch der negative Einfluss auf andere Organismen als Grundvorraussetzung für die Einstufung als invasiv genannt. Häufig ist diese Vorraussetzung allerdings eher schlecht untersucht bzw. in den meisten Fällen ist es einfach offensichtlich, dass es negative Effekte für unsere Ökosysteme gibt.
Bedeutung für unsere Gewässer
Invasive Arten zeichnen sich also durch eine sehr gute Verbreitungstrategie aus und eine sehr große Konkurrenzfähigkeit gegenüber unseren Arten. Daraus ergeben sich natürlich die Probleme für unsere Gewässer. Einmal eingeschleppt, wird man invasive Arten kaum mehr los. Häufig genug führt das zu einer Reduzierung der Häufigkeit der einheimischen Arten (zur kompletten Ausrottung kommt es eher selten), und natürlich zu einem gewissen „Einheitsbrei“ in unseren Gewässern. Überall schwimmen die selben (invasiven) Fischarten in sehr hohen Populationsdichten herum und man bekommt kaum noch andere Arten zu Gesicht. Viele Flussangler können nach dem Einwandern der Schwarzmundgrundel und der Wollhandkrabbe sicher ein Lied davon singen.
Die Rolle der Angler
Für uns Angler bringen invasive Arten also häufig genug negative Folgen mit sich. Trotzdem wurden eine Vielzahl der invasiven Arten in Deutschland durch Angler eingeschleppt und/oder zumindest verbreitet.
Als nicht-heimisches Beispiel für die Verbreitung von Fischarten durch Angler, muss hier einfach die Fischfauna auf der iberischen Halbinsel genannt werden. Durch das Einschleppen der großen Raubfische, allen voran der Wels, wurde die heimische Fischartenvielfalt drastisch reduziert und stellenweise tatsächlich fast völlig vernichtet.
Beispiele für Deutschland
In Deutschland wurden zum Beispiel durch die Fischerei (also nicht nur Angler) folgende Arten eingeschleppt:
und natürlich die Regenbogenforelle.
Viele der genannten Arten sind bereits invasiv, andere (noch) nicht.
Warum werden so viele Arten eingeschleppt?
Häufig genug werden Arten absichtlich eingeschleppt. Neben der Fischerei sind Aquakulturen und Aquarianer ganz oben auf der Verursacher-Liste. Wenn die Arten  allerdings nicht absichtlich eingeschleppt werden, ist häufig Unwissenheit die Ursache. Entweder Unwissenheit in Bezug auf die Folgen der Einschleppung oder aber Unwissenheit über den Status der Arten [wie man >hier< lesen kann].
Angler können etwas ändern!
Wir als Angler sind natürlich aufgefordert invasive Arten dem Gewässer zu entnehmen! Sollten wir invasive Arten in Regionen fangen in denen die Verbreitung der entsprechenden Art noch nicht bekannt ist, sollten wir das der Fischereibehörde melden. Auch das ist aktiver Naturschutz, dem wir Angler uns verpflichtet haben.
Sonnenbarsch vs Hecht

Sonennbarsche als Invasoren, Hechte als Räuber. Wer macht das Rennen?

Zum Artikel

Das ist eine Shortnews, welche wir mit unseren >WhatsApp News< versendet haben. Komplette Artikel & Angeltipps von Martin findest du >hier<

Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

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Quellen:

  1. Colautti, R. I., & MacIsaac, H. J. (2004). A neutral terminology to define ‘invasive’species. Diversity and distributions, 10(2), 135-141.
  2. Nehring, S., Essl, F., Klingenstein, F., Nowack, C., Rabitsch, W., Stöhr, O., … & Wolter, C. (2010). Schwarze Liste invasiver Arten: Kriteriensystem und Schwarze Listen invasiver Fische für Deutschland und für Österreich. BfN-Skripten, 285, 185.
November 27, 2019
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