Neues aus der Wissenschaft
Schwarzmund-Grundel in unseren Gewässern

Die Schwarzmund-Grundel

– Neogobius melanostomus in unseren Gewässern

Kürzlich habe ich im Newsroom einen Beitrag über invasive Fischarten veröffentlicht >hier<. Mit diesem Beitrag habe ich die Grundlagen geleg für eine kleine Reihe von Beiträgen, in denen es um invasive (Fisch)-arten in unseren Gewässern geht. Begonnen habe ich die Reihe mit dem Wolgazander, in diesem Beitrag folgt die Schwarzmundgrundel.
Zu jedem dieser Beiträge gibt es übrigens immer ein vorhergehendes Gewinnspiel auf meinem Instagram-Account @martin_fishscience, bei dem ihr eine myfishingbox gewinnen könnt! Folgen lohnt sich.

Ursprüngliche Verbreitung und Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Schwarzmundgrundel erstereckt sich eigentlich nur auf die Einzugsgebiete des Kaspischen- und Schwarzen Meeres. Also Länder wie zum Beispiel Kasachstan, Ukraine, Türkei etc. Für einen genauen Überblick über die Verbreitung einfach >hier< klicken.

In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet ist die Schwarzmundgrundel also eher in vom Brackwasser geprägten Lebensräumen anzufinden. Wenn man weiter ins Inland schaut findet man sie aber auch in Flüssen und deren Überflutungsgebieten.

Ausbreitung

Von ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet aus, hat sich die Schwarzmundgrundel meist über Kanäle oder als blinder Passagier im Ballastwasser von großen Containerschiffen ausgebreitet. Die Schwarzmundgrundel ist zur Zeit fast überall in Ostsee anzutreffen und breitet sich von dort natürlich auch in die angrenzenden Flüsse aus. Auch den Rhein hat sie mit Hilfe des Ballastwassers erreicht.
Kurioser Weise wurde sie bereits 1991 unbeabsichtigt in Nordamerika eingeschleppt.
Neben dieser durch Menschen direkt geförderten Ausbreitung, breitet sich die Grundel auch von ihrem natürlichen Lebensraum immer weiter aus. So wurde zum Beispiel die österreichische Donau um die Jahrtausendwende erreicht.
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Schwarzmundgrundel aus dem Aquarium in Berlin.

Wenn man, wie in diesem Bild, den deutlich schwarzen Fleck auf der Rückenflosse, oder aber die verwachsenen Brustflossen, nicht sieht, ist eine Unterscheidung von der Mühlkoppe äußerst schwierig.

Bei dem Gewinnspiel auf Instagram hat es @uhanke27 trotzdem geschafft!

Kommentar: „Schwarzmaulgrundel#invasiv @tim.1990 @gabihanke“

Herzlichen Glückwunsch zur MyFishingBox.

Bedeutung für heimische Fischbestände

Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob eine invasive Art gut oder schlecht für unsere heimischen Artgemeinschaften ist. Fakt ist, ihre Ankunft führt zu Veränderungen und ebenso ist es ein Fakt, dass die Ausbreitung von invasiven Arten, global betrachtet, eher negative als positive Folgen nach sich zieht. Für die Schwarzmundgrundel stelle ich hier nachfolgend nur einige Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien dar, die für uns als Angler relevant sein können.

Schwarzmundgrundel als Laichräuber

Die größte Bedrohung die Angler für ihre Fischbestände sehen, nachdem die Schwarzmundgrundel ein neues Gebiet erreicht hat, ist die Gefahr durch Laichfraß. Die meisten Studien belegen zwar, dass sich vor allem größere Schwarzmundgrundeln häuptsächlich von Muscheln und kleinen Krebstieren ernähren, aber gerade kleinere Schwarzmundgrundel haben, zumindest in der Ostsee, eine ausgeprägte Vorliebe für Heringseier. Es ist also nicht auszuschließen, dass auch kleine Schwarzmundgrundeln in unseren Flüssen, zumindest in diesen frühen Lebensstadien, einen großen Fraßdruck auf den Laich der anderen Fischarten ausüben. Aber selbst, wenn dem nicht so sein sollte, wirkt sich der enorme Fraßdruck der Schwarzmundgrundeln auf andere Wasserinsekten, natürlich negativ auf andere Fischarten aus, denen damit eine wesentliche Nahrungsgrundlage entzogen wird.

Schwarzmundgrundel über Schwarzmundgrundel

Angler kennen das vermutlich sehr gut, wenn die Schwarzmundgrundel erst einmal ein neues Gebiet erreicht hat, gibt es dort bald nichts anderes mehr als Schwarzmundgrundel. Diese Erfahrungen sind natürlich auch wissenschaftlich belegt. In Gebieten in denen die Schwarzmundgrundel sich etabliert hat, stellt sie in der Regel mit großem Abstand die häufigste Fischart dar. Im Rhein macht die Grundel Streckenweise bis zu 80% der Gesamtbiomasse aus! Nun sollte man aber der Schwarzmundgrundel nicht die Schuld für ihre Effektivität geben. Gerade der Rhein ist ein extrem vom Menschen veränderter Fluss, der mit seinen kilometerlangen Steinpackungen und dem begradigten Flusslauf, die Schwarzmundgrundel geradezu einlädt. Es sollten also immer beide Seiten der Geschichte betrachtet werden. Trotzdem bleiben die Auswirkungen auf die heimischen Fische und andere Wasserorganismen natürlich nicht aus. Die Anzahl von Barbe, Plötze und Co. geht in der Regel in Folge der Invasion dramatisch zurück.

Schwarzmundgrundel als Beute

Zander und Barsch

Eine so zahlreiche Beute bleibt natürlich nicht unentdeckt! Sei es nun, weil die Fluchtreaktion der Schwarzmundgrundel nicht an die Jagdstrategie der heimischen Räuber angepasst ist, oder weil es einfach nach der invasion so gut wie keine andere Beute mehr gibt, die SChwarzmundgrundel wird von unseren heimischen Räubern sehr gerne gefressen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Schwarzmundgrundel bei Barschen und Zandern hoch im Kurs steht. Nicht selten findet man in mehr als 20 oder sogar 30% der untersuchten Mägen Schwarzmundgrundeln als Beuteorganismus. Andere Beuteorganismen haben da im Vergleich eine wesentlich geringere Bedeutung.

Zander Wachstum

Und es scheint auch so, als würde, zumindest dem Zander, die Schwarzmundgrundel besonders gut bekommen, denn die Wachstumsraten von Zandern im Nord-Ostsee-Kanal sind, nach der Invasion, angestiegen. EIne Studie hat gezeigt, dass Zander vor der Ankunft der Schwarzmundgrundeln in der Regel nach einem Jahr circa 14 cm groß waren, nach der Invasion aber 21 cm groß. Dieser Trend hat sich dann fortgesetzt, so dass Zander im Alter von 6 Jahren vor der Invasion im Schnitt 52 cm groß waren und nach der Invasion 66 cm. Also ein deutlicher Anstieg der Wachstumsrate.

Kormoran

Und noch ein etwas ungewöhlicher Aspekt soll hier Beachtung finden: Auch Kormorane lieben Schwarzmundgrundeln! Auch bei Kormoranen konnte gezeigt werden, dass die Schwarzmundgrundel gerade zur Brutsaison eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste, Nahrungsquelle für die Kormorane darstellt! Auf der einen Seite ist das natürlich gut, weil der Fraßdruck auf andere Arten verringert wird, gleichzeitig heißt es aber auch, dass eine so erfolgreiche Fischart wie die Schwarzmundgrundel eine hervorragende Grundlage für ein weiteres Wachstum der Kormoranpopulationen bedeuten kann.

Weitere Grundelarten und Verwechslungsmöglichkeiten

Neben der invasiven Schwarzmundgrundel gibt es in Deutschland noch eine ganze Reiher weiterer „Grundel“-Arten. Wie man an den wissenschaftlichen Namen erkennt, haben diese Grundel-Arten allerdings sehr unterschiedliche stammesgeschichtliche Vorfahren und haben deshalb manchmal nur wenig mit der Scharzmundgrundel zu tun. Der Vollständigkeit halber zähle ich diese Grundeln aber hier auch und stelle euch einen Link zur Verfügung, in dem ihr die wichtigsten Merkmale dieser Grundel nachschauen könnt.

Heimische Grundelarten:

Dorngrundel (Cobitis taenia)

Kristallgrundel (Crystallogobius linearis)

Schnappgrundel (Gobiusculus flavescens)

Glasgrundel (Aphia minuta)

Strandgrundel (Pomatoschistus microps)

Lozano-Grundel (Pomatoschistus lozanoi)

Fleckengrundel (Pomatoschistus pictus)

Leopardengrundel (Thorogobius ephippiatus)

Weitere invasive Grundelarten:

Kesslergrundel (Ponticola kessleri)

Marmorierte Grundel (Proterorhinus marmoratus)

Nackthalsgrundel (Babka gymnotrachelus)

Überhaupt keine Grundel, aber leicht zu verwechseln:

Mühlkoppe (Cottus gobio)

Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

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Weiterführende Literaturhinweise:

  1. Fraß von Heringseiern: Wiegleb, J., Oesterwind, D., Kotterba, P., & von Nordheim, L. (2017). Trophic interaction of invasive round goby (Neogobius melanostomus) and Baltic herring eggs.
  2. Zanderwachstum: Hempel, M., Neukamm, R., & Thiel, R. (2016). Effects of introduced round goby (Neogobius melanostomus) on diet composition and growth of zander (Sander lucioperca), a main predator in European brackish waters. Aquatic Invasions, 11(2), 167-178.
  3. Kormoran: Oesterwind, D., Bock, C., Förster, A., Gabel, M., Henseler, C., Kotterba, P., … & Winkler, H. M. (2017). Predator and prey: The role of the round goby Neogobius melanostomus in the western Baltic. Marine Biology Research, 13(2), 188-197.
  4. Anzahl im Rhein: Borcherding, J., Staas, S., Krüger, S., Ondračková, M., Šlapanský, L., & Jurajda, P. (2011). Non‐native Gobiid species in the lower River Rhine (Germany): recent range extensions and densities. Journal of Applied Ichthyology, 27(1), 153-155.
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Januar 12, 2020
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