Teil 2 – Aromatisierte Köder

Savage Gear Köder

Martin ist Doktorand der Biologie & Ökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Angler für Angler!

Aromatisierte Köder? Macht das Sinn?

Teil 2: Spezielle Aromen; Knoblauch, Anis und Fisch

Der 1. Teil „aromatisierte Köder, macht das Sinn“, wurde mit großem Interesse von tausenden Angler gelesen. Kein Wunder, hat doch jeder von uns solche Köder in der Tackle Box oder hat im Laden schon einmal überlegt, sich welche zuzulegen.

Im Folgenden 2. Teil wollen wir uns einige handelsübliche Aromen genauer ansehen und deren potenzielle Wahrnehmbarkeit für Fische und deren Wirkung bewerten, um das Thema noch genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Knoblaucharoma: Allicin ist das Reaktionsprodukt, welches aus der Kombination der schwefelhaltigen, geruchslosen Aminosäure Alliin und der Alliinase (alliinspaltende Enzyme) entsteht und für den typischen Knoblauchgeruch verantwortlich ist. Allicin, also der reine Knoblauchgeruch, gehört zu den Thiosulfinaten und ist als solches nicht von Fischen wahrnehmbar. Das natürliche Vorkommen von Alliniin, Alliinase und somit Allicin beschränkt sich auf verschiedene Laucharten wie Knoblauch und Bärlauch – alles Pflanzenarten, welche nicht in dem Lebensraum Wasser vorkommen. Das Besondere an Knoblauch ist jedoch der hohe Anteil an Aminosäuren wie Arginin, Lysin und Prolin, welche von Fischen besonders gut wahrgenommen werden können. Die gute Wahrnehmbarkeit dieser Aminosäuren bei Fischen lässt auf eine gewisse Bedeutung dieser Aminosäuren für Fische schließen. Ob es ein anziehender oder abstoßender Effekt ist, ist dabei aber noch nicht bis ins Detail geklärt, allerdings hat eine Studie gezeigt, dass Fischlarven die mit einer knoblauchölhaltigem Futter gefüttert wurden besser gewachsen sind als eine Kontrollgruppe die mit „Standardfutter“ ernährt wurde (Hassaan & Soltan, 2016).

Beim Knoblauch locken also die enthaltenen Aminosäuren und nicht das Aroma an sich. Das Aroma lockt wohl eher den Angler!

 

Anisaroma: Anethol sorgt für das charakteristische Anisaroma und ist ein Phenolether und somit für Fische nicht riechbar. Anethol ist zudem sehr schlecht in Wasser löslich.

Ähnlich wie beim Knoblaucharoma (Allicin) kommt Anethol lediglich in terrestrischen Pflanzen wie Anis, Estragon, Sternanis und Fenchel vor. Jedoch beinhaltet Anis im Vergleich zu Knoblauch deutlich höhere Anteile der Aminosäuren Alanin, Arginin und Prolin, welche sehr gut von Fischen wahrgenommen werden können. Durch die im Anis höheren Konzentrationen an gut wahrnehmbaren Aminosäuren sollte Anis im Vergleich zum Knoblauch eine noch stärkere Lockwirkung auf Fische haben! Allerdings habe ich selten Köder mit Anisaroma gesehen…

Frag Martin

Hey! Übrigens, wir haben was spannendes vor!

Es ist noch nicht ganz spruchreif, aber etwas aus dem Nähkästchen geplaudert, planen wir die Erstellung einer Datenbank, welche es ermöglicht, Ködertypen zu ermitteln die in bestimmten Situationen (Wetter, Trübung) und Gewässertypen(Fluss, See (Natur- oder Stausee)) regelmäßig Erfolge gebracht haben.

Mit ordentlich Daten gefüttert, wäre diese Datenbak für dich ein unschlagbares Tool, aus dem du beispielsweise ersehen könntest, zu welcher Jahreszeit, am Fluss welche Ködergröße und Farbe besonders gut läuft.

Wir bereiten das gerade vor und werden für alle, die uns Daten zuliefern, natürlich die allerersten Einblicke in die ersten Auswertungen geben, also sei am besten dabei und melde dich für unsere WhatsApp News an!

Fischaromen: Unter Fischaromen werden hier Geruchsstoffe auf Fisch-, Garnelen-, Krebs- und Tintenfischbasis zusammengefasst. Fischaromen basieren häufig auf tierischen Bestandteilen wie Fischmehl und/oder Fischöl, welche aus Proteinen bestehen, die wiederum aus Aminosäuren zusammengesetzt sind. Aminosäuren sind sehr gut von Fischen über deren Geruchs- und Geschmackssinn wahrnehmbar. Die Aminosäuren Alanin, Arginin und Prolin haben auf Fische einen besonders starken Reiz und sind zu hohen Anteilen beispielsweise in Herings- und Weißfischmehl vertreten (Gerking, 2014).

Fischaromen auf Basis tierischer Bestandteile sind aufgrund des hohen Anteils verschiedener Aminosäuren der ideale Lockstoff für Fische. Fischaromen stellen im Idealfall bereits vertraute Gerüche dar, welche den Zielfischen bekannte Beutetiere suggerieren, was ein längeres Festhalten unserer Kunstköder bewirken und somit die Hakrate steigern kann.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Aromen welche z.B. Aminosäuren beinhalten sehr gut von Fischen wahrgenommen werden können und dadurch eine mögliche Lockwirkung haben. Prinzipiell lohnt es sich als Raubfischangler auf Köder mit Fischaromen zurückzugreifen, da diese auf für Hecht & Co. bereits bekannten Aminosäuren-Komplexen basieren und so die natürliche Beute am besten imitieren. Bei Knoblauch- und Anisaromen muss darauf geachtet werden, dass bei deren Herstellung auch tatsächlich die jeweiligen natürlichen Pflanzenbestandteile verwendet wurden (auf entsprechende Herstellerangaben auf Verpackungen achten!), da nur dann sichergestellt werden kann, dass die für Fische wahrnehmbaren Aminosäuren enthalten sind. Leider ist somit der reine Knoblauch- (Allicin) oder Anisgeruch (Anethol) noch kein Indiz für deren Lockwirkung, da diese nicht für Fische wahrnehmbar sind.

Ein Großteil der oben genannten Informationen stammen aus Derby & Sorensen 2008.

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Literatur:

 

Derby, C. D., & Sorensen, P. W. (2008). Neural processing, perception, and behavioral responses to natural chemical stimuli by fish and crustaceans. Journal of chemical ecology, 34(7), 898-914.

Gerking, S. D. (2014). Feeding ecology of fish: Elsevier.

Hassaan, M. S., & Soltan, M. A. (2016). Evaluation of essential oil of fennel and garlic separately or combined with Bacillus licheniformis on the growth, feeding behaviour, hemato-biochemical indices of Oreochromis niloticus (L.) fry. J. Aquac. Res. Dev, 7, 422-429.

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Januar 10, 2018
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