Nee, oder?! Kurioses aus der Wissenschaft
Psychopharmaka für Lachse – Leichte Beute für Hechte

Der atlantische Lachs (Salmo salar) ist in den meisten Ländern stark bedroht. In Deutschland ist der Lachs schon so selten geworden, dass viele Menschen nicht wissen, dass der Lachs jemals heimisch war (siehe Infobox unten). Mit aufwendigen Zuchtprogrammen wird versucht, die noch vorhandenen Bestände zu unterstützen. In verschiedenen Studien hat sich gezeigt, dass aus Zuchtfarmen stammende Lachse weniger wahrscheinlich eine Laichwanderung vollziehen, als ihre in natürlichen Bedingungen aufgewachsenen Artgenossen. Das hat natürlich negative Auswirkungen auf die Effektivität von Besatzprogrammen. Ein nicht abwandernder Lachs reproduziert sich nicht und kann dementsprechend auch nicht zur Stabilisierung der Population beitragen.

Um diese „Abwanderungs-Unlust“ zu reduzieren, haben viele Untersuchungen unter experimentellen Bedingungen stattgefunden.  Dabei hat sich gezeigt, dass ein Pharmazeutikum, Oxazepam (ein sogenannter Tranquilizer (Psychopharmaka)), die Rate der abwandernden Lachse erheblich erhöhen kann!  Bisher war allerdings unklar, wie sich diese „gedopten“ Lachse in freier Wildbahn verhalten.

 


„[…]exposed smolt had considerably higher probability of being predated on compared to control smolt.“

 

Ein Versuch hat nun gezeigt, dass das Pharmazeutikum die Anzahl der Zuchtlachse, die nach dem Aussetzen eine Laichwanderung vollziehen erhöht. Aber sie hat auch gezeigt, dass die Mortalität dieser Lachse, im Vergleich zu natürlich abwandernden Lachsen, wesentlich höher ist! Die Wissenschaftler vermuten, dass dies eine Folge des Pharmazeutikums ist. Es macht Lachse unvorsichtig und übermutig und so zu einer leichten Beute für Prädatoren, vor allem dem Hecht (Esox lucius).

Zusammenhänge in der Natur sind häufiger komplexer als zunächst vermutet. Besatz ist sicherlich eine gute Option um Bestände zu stützen. Das obige Beispiel zeigt allerdings, dass viel Besatz nicht automatisch auch viel Nachwuchs bedeutet!

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Welche Fische sind in Deutschland heimisch?

Ein Untersuchung hat gezeigt, dass viele Menschen in Deutschland nicht wissen, welche Fischarten heimisch sind und welche nicht. Den kurzen Artikel dazu findest du >hier<

Das ist eine Shortnews, welche wir mit unseren >WhatsApp News< versendet haben. Komplette Artikel & Angeltipps von Martin findest du >hier<

Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

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Quelle:

Klaminder, J., Jonsson, M., Leander, J., Fahlman, J., Brodin, T., Fick, J., & Hellström, G. (2019). Less anxious salmon smolt become easy prey during downstream migration. Science of The Total Environment.

September 25, 2019
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