Licht, Trübung und Beutefische- wann gehst du zum Barschangeln?

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Martin ist Doktorand der Biologie & Ökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Angler für Angler!

Licht, Trübung und Beutefische- wann gehst du zum Barschangeln?

In letzter Zeit sind mir in den sozialen Medien häufiger Barsche aufgefallen die in der Nacht gefangen wurden. Prädestiniert für solche Fänge waren Häfen oder Industrieanlagen mit viel künstlichem Licht. Ich habe mich gefragt, ob solche Fänge wirklich nur Ausnahmen sind?

Ali und Mitarbeiter (1977) haben die Sehrezeptoren von Gelbbarschen (Perca flavescens) und Walleys (Sander vitreus) genauer untersucht. Diese beide Arten sind sehr nahe Verwandt mit unserem Barsch (Perca fluviatilis), bzw. unserem Zander (Sander lucioperca). Die Studie hat gezeigt, dass Barsche vor allem Tagsüber und hier in den Dämmerungsphasen jagen. Die Jagd ist besonders erfolgreich in den Dämmerungsphasen, da hier das Sehvermögen der Beute meist gemindert ist, während das der Barsche fast unverändert hoch ist. Der Walleye hingegen ist ein absolut nachtaktiver Räuber. Walleye und Zander haben ein Tapetum lucidum. Dieses Tapetum lucidum erlaubt es den Fischen auch bei sehr geringen Lichtintensitäten noch erfolgreich zu jagen.

Zwischenfazit: Dämmerung auf Barsch, nachts auf Zander, da habe ich nicht viel falsch gemacht.

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In der Studie wird allerdings auch davon gesprochen, dass sich besonders beim Walleye die Jagdaktivitäten bei getrübtem Wasser auch mehr in den Tag hinein verschieben können. Gibt es ähnliche Effekte der Wassertrübung auch auf das Jagdverhalten beim Barsch? Künstliches Licht zumindest scheint die Fangchancen in der Nacht zu steigern.

Eine Studie von Jacobsen und Mitarbeitern (2014) hat genau das untersucht. Getestet wurden drei verschiedene Trübungsgrade und zwei verschiedene Beutefischdichten. Es zeigte sich, dass bei geringen Beutefischdichten die Jagdaktivität der Barsche bei steigender Trübung deutlich abnimmt. Das hätte man so auch erwartet. Bei einer hohen Beutefischdichte hingegen, zeigte sich kaum ein Effekt der Trübung auf das Jagdverhalten! Für uns Angler könnte das bedeuten, das zum Beispiel im Frühjahr wenn viele Brutfische im Wasser sind, oder im Sommer, wenn viele Jungfische in den Gewässern sind, die Trübung des Wassers kaum eine Rolle auf unseren Fangerfolg ausübt. Das hat mich schon überrascht. Besonders im Frühjahr, während der Frühjahrsalgenblüten, aber auch im Sommer, nach Regenfällen, könnte man immer mit guten Barschfängen rechnen, egal zu welcher Tageszeit.

Fazit: Nachts gezielt auf Barsch? Eher nicht. Bei Trübem Wasser und viel Beutefisch mal einen Versuch auf Barsche mitten am Tag? Das kann sich lohnen! Kleine Barsche beißen immer, aber vielleicht bekommt man dann auch den ein oder anderen Ausnahmefisch?

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Literatur:

Ali, M. A., Ryder, R. A., & Anctil, M. (1977). Photoreceptors and Visual Pigments as Related to Behavioral Responses and Preferred Habitats of Perches (Percaspp.) and Pikeperches (Stizostedionspp.). Journal of the Fisheries Research Board of Canada, 34(10), 1475-1480. doi:10.1139/f77-212

Jacobsen, L., Berg, S., Baktoft, H., Nilsson, P. A., & Skov, C. (2014). The effect of turbidity and prey fish density on consumption rates of piscivorous Eurasian perch Perca fluviatilis. Journal of Limnology, 73(1). doi:10.4081/jlimnol.2014.837

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August 2, 2017
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