Sterberaten zurückgesetzter Zander

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Martin ist angehender Doktorand der Biologie & Ökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Angler für Angler!
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2. Teil, Sterberate zurückgesetzter Zander

Jeder Angler erlebt es immer wieder, manche gefangenen Fische müssen zurückgesetzt werden. Die Gründe dafür können sehr verschieden sein (Schonzeit, Mindestmaß, Entnahmeverbot oder das Entnahmefenster). Ganz egal warum der Fisch released wird, Ziel ist das Überleben des Tieres. Doch wie hoch sind eigentlich die Sterberaten bei zurückgesetzten Hechten, Barschen und Zandern?


2. Teil | Sterberate beim Zander in Bezug auf zurückgesetzte Fische

Nachdem ich im letzten Beitrag die Sterberaten des Hechtes etwas genauer unter die Lupe genommen hatte, wird es in diesem Beitrag um den Zander gehen. Vorweg sei gesagt, dass es im Gegensatz zum Hecht, zum Zander wesentlich weniger wissenschaftliche Arbeiten gibt, die die Mortalität nach dem Zurücksetzen untersucht haben. Die wesentlichste Untersuchung zum Zander haben wohl Arlinghaus und Hallermann (2007) gemacht. Sie untersuchten unter anderem den Effekt der Zeit, die sich ein Zander nach dem Fang mit der Angel außerhalb des Wassers aufhält, auf die Sterblichkeit der Fische. In der Studie wurden untermaßige Zander (< 50 cm) mit der Angel gefangen und für 0, 60, 120 oder 240 Sekunden außerhalb des Wassers gehalten und anschließend in Versuchsteiche (Wassertemperaturen um die 10 °C) gesetzt, um die Auswirkungen dieser Behandlungen zu beobachten. Zu den Ergebnissen sei vorweggesagt, dass keine statistisch belastbaren Unterschiede zwischen den Behandlungen festgestellt werden konnten, lediglich Tendenzen waren erkennbar. So gab es einen starken Hinweis darauf, dass die Größe und die Sterblichkeit der Zander in einem entgegengesetzten Verhältnis zueinanderstanden. Umso kleiner die Fische waren, umso größer war die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach dem Zurücksetzen starben. Außerdem gab es einen Effekt der Zeit, die sich der Zander außerhalb des Wassers befindet, auf die Sterblichkeit. Wenn der Zander nicht aus dem Wasser entnommen wurde, lag die Sterblichkeit bei circa 8% der Fische, in allen anderen Behandlungen lag sie deutlich höher und teilweise bei knapp 47%! Also jeder Zweite zurückgesetzte Fisch ist gestorben!

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Ergänzend zu dieser Arbeit, möchte ich hier noch eine weitere Studie von Reeves und Mitarbeitern (Reeves & Bruesewitz, 2007) erwähnen, die sich mit einem nahen Verwandten des Zanders, dem Walleye, beschäftigt hat. In dieser Studie konnte ein klarer Zusammenhang zwischen der Wassertemperatur und der Sterblichkeit nach dem Zurücksetzen der Fische beobachtet werden. So starben bei 18 °C Wassertemperatur weniger Fische als bei 24 °C. Dies bestätigt die Ergebnisse die Hühn und Arlinghaus (Hühn & Arlinghaus, 2011), in einer Literaturübersicht zusammengestellt hatten. Sie konnten zeigen, dass es für verschiedenste Fischarten einen generellen Trend dahingehend gab, dass sich die Sterblichkeit erhöht, je höher die Wassertemperatur ist. Ein zweiter wichtiger Faktor den Reeves und Mitarbeiter (2007) für die Sterblichkeit der Walleys identifizierten, war das Bluten. Blutete ein gefangener Fisch, war seine Chance zu sterben bei 18 °C Wassertemperatur höher als für einen nicht-blutenden Fisch. Während des Versuchs, lagen die Sterberaten in den kälteren Monaten (Juni und September) bei circa 4% der gefangenen Fische und stieg in den wärmeren Monaten (Juli und August) auf circa 12 % an.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Zeit die sich ein Zander außerhalb des Wassers befindet eine entscheidende Rolle für die Überlebenswahrscheinlichkeit spielt. Jede unnötige Sekunde sollte vermieden werden, und am besten werden Fische, die nicht entnommen werden sollen/dürfen, direkt im Kescher abgehakt. Wer schonend auf Zander angeln möchte, angelt außerdem mit Kunstködern, weil diese die Wahrscheinlichkeit eines tief geschluckten Köders und damit des Blutens minimieren und somit die Überlebenswahrscheinlichkeit von Fischen die nicht entnommen werden sollen/dürfen stark erhöht wird.

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Literatur:

Arlinghaus, R., & Hallermann, J. (2007). Effects of air exposure on mortality and growth of undersized pikeperch, Sander lucioperca, at low water temperatures with implications for catch-and-release fishin. Fisheries Management and Ecology, 14(155-160).

Hühn, D., & Arlinghaus, R. (2011). Determinants of Hooking Mortality in Freshwater Recreational Fisheries: A Quantitative Meta-Analysis. American Fisheries Society Symposium, 75, 141-170.

Reeves, K. A., & Bruesewitz, R. E. (2007). Factors Influencing the Hooking Mortality of Walleyes Caught by Recreational Anglers on Mille Lacs, Minnesota. North American Journal of Fisheries Management, 27(2), 443-452. doi:10.1577/m05-209.1

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Januar 31, 2017