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MARTIN FRIEDRICHS

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Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz.

Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt.

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Welche Farben sehen Barsche?!

Von den Grundlagen zur Frage: „Welche Farben sehen Barsche?“

In dem Artikel Welche Farben sehen Fische habe ich sehr allgemein dargelegt, wie sich Farben unter Wasser verhalten, welche Kapazitäten das Fischauge in Bezug auf Farbsehen im Allgemeinen mitbringt und wie unterschiedlich sich Farben in klarem oder trübem Wasser verhalten. In diesem Artikel beschäftige ich mich ganz konkret mit der Frage: „Welche Farben sehen Barsche?“

Konkret werde ich Themen rund um die Absorptionsmaxima des Barschauges (also welche Farben werden am besten gesehen), die Entwicklung des Farbsehens während der Ontogenese des Barsches und um das Auflösungsvermögen des Barschauges behandeln. Seit gespannt!

Welche Farben sehen Barsche? Welche Köder braucht man in der Angelkiste?

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Kleine Barsche sehen auch im UV-nahen Bereich, adulte Barsche nicht

Juvenile Barsche sind trichromatisch, adulte nur noch dichromatisch, das heißt sie können circa 10.000 Farben unterscheiden. Die Netzhaut des Barsches enthält Stäbchen für das Hell-Dunkel-Sehen und Zapfen für die Farbwahrnehmung [1]. Barschlarven in ihren ersten Lebenswochen haben lediglich Zapfen ausgebildet, deren Absorptionsmaximum im Ultraviolettbereich bei etwa 400 nm liegt, was vermutlich zu einer Kontrasterhöhung führt und so das Fangen von Zooplankton erleichtern kann. Stäbchen werden erst später, bei Tieren über 40 mm Länge angelegt.

Mehr Farbe im Alter

Mit zunehmendem Wachstum der Barsche steigt das Verhältnis von Stäbchen zu Zapfen und erreicht bei adulten Barschen ein Verhältnis von etwa 10:1. Das zeigt deutlich, dass die Fähigkeit zum Sehen von Farben mit zunehmendem Alter der Barsche ebenfalls zunimmt. Ebenfalls werden mit zunehmendem Alter der Barsche die singulären Zapfen durch dopellte Zapfen ersetzt. Wir Menschen haben diese doppelten Zapfen übrigens nicht. Die Stäbchen haben ein Absorptionsmaximum bei einer Wellenlänge des Lichts von 540 nm, die singulären Zapfen bei 535 nm, und die Zwillingszapfen bei 620 nm.Um diese Wellenlängen in „Farben“ zu übersetzen, schaut bitte im Artikel „Welche Farben sehen Fische“ vorbei.

Welche Farben sehen Barsche nicht? Die Bedeutung des „gelben“ Auges

Fängt man größere Barsche, fällt schnell die typische Gelbfärbung des Auges auf. Achtet mal bei kleineren Barschen darauf, dann wird euch schnell auffallen, dass das Auge noch nicht gelb gefärbt ist! Die gelbe Hornhaut der erwachsenen Barsche in Kombination mit einer sehr starken Lichtabsorption der Linse für kurzwellige Strahlung, sorgt bei größeren Flussbarschen dafür, dass Wellenlängen unter 500 nm nicht mehr in das Auge eindringen können [2].

Neue Studie bestätigt dieses Ergebnis

Die Studie, die ich bereits im Artikel „Welche Farben sehen Fische“ und „Welche Farben sehen Hechte“ zitiert habe, kommt hier auch wieder zu Wort [3]. Neben Hechten und Zandern, wurden auch Barsche untersucht. Auch bei Barschen sind die Farben Grün und Rot von absolut überragender Bedeutung. Sehr ähnlich wie bei Hechten, sind die Farbspektren die gesehen werden können,  relativ eng und die Fähigkeit bestimmte Farben zu sehen nimmt ab bestimmten Nanometer-Bereichen rapide ab.

Was bedeutet das für DICH beim Angeln auf Barsche?

Für unsere Köderwahl heißt das, Grün- und Gelbtöne werden von Barschen extrem gut wahrgenommen und auch Rottöne sind von großer Bedeutung. Entscheidend sind aber auch Kontraste! Kontraste spielen meiner Meinung nach viel zu selten eine Rolle bei der Köderwahl!

Welche Farben sehen Barsche? UV-aktive Köder?

Hinzu kommt, das UV- Farben für die Barschangelei überhaupt nicht interessant sind, was nicht bedeuted, dass UV-aktive Köder durchaus ihre Berechtigung haben können. Bei UV-aktiven Ködern emittiert die entsprechende Farbe unter UV-Bedingungen (also tiefes Wasser oder geringe Lichtintensitäten) eine andere Farbe. Als Beispiel, kann man sich das bekannte Motoroil vor Augen führen. Der Köder an sich ist bräunlich, mit der UV-Lampe beleuchtet, wirkt der Köder grünlich bzw. gelblich. Diese Farben kann der Barsch wieder entsprechend gut erkennen! Es gibt allerdings auch UV-aktive Farben, die unter UV-Bedingungen blaues oder weißes Licht emittieren, das ist entsprechend weniger sinnvoll.

Buchempfehlung

Der Flussbarsch

Wer wirklich in das Thema Angeln auf Barsch einsteigen möchte, kommt eigentlich an diesem Buch nicht vorbei. Es sieht nicht besonders aufregend aus, aber es liefert unheimlich viele Informationen in unheimlich komprimierter Form. Wer wirklich verstehen will, WARUM wann, wo und wie gut fängt, sollte hier ml reinlesen.

Eckmann, R., & Schleuter-Hofmann, D. (2013). Der Flussbarsch. Die neue Brehmbücherei, 677.

Eine anderer Aspekt als die Farbe ist vermutlich viel entscheidender

Doch besonders beim Barsch kommt neben der Köderfarbe noch ein weiterer extrem wichtiger Aspekt ins Spiel, die Köderpresentation. Mit zunehmendem Alter der Barsche, wird die Auflösung des Auges ständig besser [4]. Das heißt, dass Barsche im adulten Alter eine sehr hohe Auflösung haben. Hinzukommt, dass die Akkomodation der Linse, also das Einstellen der Brechkraft der Linse auf unterschiedliche Verhältnisse, bei Barschen durch vier Muskelstränge gesteuert wird [5]. Zum Beispiel bei Hechten und Forellen ist dafür lediglich ein Muskel zuständig. Das bedeutet, dass der Barsch extrem scharf sehen kann und das wiederum bedeutet, dass die Köderpresentation extrem unauffällig sein sollte. Dicke Stahlvorfächer oder große Wirbel und Karabiner sind bei der Barschangelei völlig fehl am Platz.

Der Raubfisch 03/2018

bereits 2018 habe ich einen speziellen Beitrag über das Barschauge für „Der Raubfisch“ geschrieben. Diesen Beitrag stelle ich euch auf meiner Website (martinfriedrichs.de) als online Version und als PDF-Version zur Verfügung (LINK).

PODCAST`S MIT MARTIN FRIEDRICHS-MANTHEY

 

Literatur (Auswahl):

[1] Guma’a, S. A. (1982). Retinal development and retinomotor responses in perch, Perca fluviatilis L. Journal of Fish Biology, 20(5), 611-618.

[2] Cameron, N. E. (1982). The photopic spectral sensitivity of a dichromatic teleost fish (Perca fluviatilis). Vision Research, 22(11), 1341-1348.

[3] Wunder, W. (1936). Physiologie der Süßwasserfische Mitteleuropas. Die Nahrung, 307, 308.

[4] Ahlbert, I. B. (1973). Ontogeny of double cones in the retina of perch fry (Perca fluviatilis, Teleostei). Acta zoologica, 54(4), 241-254.

[5] Guthrie, D. M. (1981). The properties of the visual pathway of a common freshwater fish (Perca fluviatilis L.) in relation to its visual. Brain Mechanisms of Behaviour in Lower Vertebrates, 9, 79.

MARTIN FRIEDRICHS-MANTHEY

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

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April 23, 2020
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