Welche Farben sehen Fische?

Savage Gear Köder

Martin ist Doktorand der Biologie & Ökologie, sowie Angler aus Leidenschaft. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Angler für Angler!

Welche Farben sehen Fische?

Die Farbwahrnehmung von Fischen ist artspezifisch und kann stark variieren. Ich möchte Euch hier das Sehvermögen einiger beliebter Raubfischarten näher erläutern, um Euch die Suche nach der jeweils fängigsten Köderfarbe zu erleichtern.

„Welche Köderfarbe läuft am besten?“ Diese Frage stellt sich jeder Spinnangler regelmäßig. Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns zunächst klarmachen, was Licht ist und wie es sich unter Wasser verhält. Licht besteht aus elektromagnetischer Strahlung, welche für den Menschen in Wellenlängen zwischen 380 – 780 Nanometer (nm) sichtbar ist.

Skala1

Für den Menschen sichtbares Spektrum der elektromagnetischen Strahlung.
Bild-Quelle: lucento.de

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Mit zunehmender Wassertiefe werden längere Wellenlängen, wie z.B. Rottöne absorbiert und sind somit nicht mehr wahrnehmbar, wohingegen Blautöne auch noch in großer Tiefe erkennbar bleiben. Die Angelgeräteindustrie vertreibt daher gern rote Schnüre und Vorfachmaterialien, da diese Farbe bereits in oberen Wasserschichten absorbiert wird und somit weniger sichtbar ist, was wiederum bessere Fänge verspricht.

Tiefe

Die Anzahl an Farben, die Fischen wahrnehmen können, kann um ein vielfaches größer sein als bei Menschen. Das beruht darauf, dass viele Fische Tetrachromat sind und vier verschiedene Arten von Zapfen (Zapfenzelle, Neuron coniferum) in der Netzhaut haben, was ihnen ermöglicht etwa 100 Millionen Farben unterscheiden zu können (Guthrie, 1983). Das menschliche Auge ist Trichromat und besitzt drei verschiedene Arten von Zapfen, was uns die Unterscheidung von circa 1 Million Farben ermöglicht. Um das Ganze zu relativieren: Marine Säuger (monochromatisch) sind in der Lage circa 100 Farben wahrzunehmen, wobei Tauben (pentachromatisch) etwa 10 Milliarden Farben unterscheiden können. Kommen wir zu unseren Süßwasserräubern im Speziellen. Beginnen möchte ich hier mit dem Barsch.

Barsch
Juvenile Barsche sind trichromatisch, adulte nur noch dichromatisch, das heißt sie können circa 10.000 Farben unterscheiden. Die Netzhaut des Barsches enthält Stäbchen (Stäbchenzellen, Neuron bacilliferum) für das Hell-Dunkel-Sehen und Zapfen für die Farbwahrnehmung (Guma´a 1982). Barschlarven in ihren ersten Lebenswochen haben lediglich Zapfen ausgebildet, deren Absorptionsmaximum im Ultraviolettbereich bei etwa 400 nm liegt, was vermutlich zu einer Kontrasterhöhung führt und so das Fangen von Zooplankton erleichtern kann. Stäbchen werden erst später, bei Tieren über 40 mm Länge angelegt. Mit zunehmendem Wachstum der Barsche steigt das Verhältnis von Stäbchen zu Zapfen auf 10:1 bei adulten Individuen, was so deren Farbwahrnehmung verstärkt. Die Stäbchen haben ein Absorptionsmaximum bei einer Wellenlänge des Lichts von 540 nm, die singulären Zapfen bei 535 nm, und die Zwillingszapfen bei 620 nm. Bei erwachsenen Barschen bildet sich die charakteristische Gelbfärbung der Hornhaut aus. Die gelbe Hornhaut zusammen mit der Absorption von kurzwelliger Strahlung sorgt bei größeren Flussbarschen dafür, dass Wellenlängen unter 500 nm nicht mehr in das Auge eindringen können (Cameron 1982).

Für unsere Köderwahl heißt das, Grün- und Gelbtöne werden von Barschen extrem gut wahrgenommen, genauso wie Kontraste! Hinzu kommt, das UV- aktive Köder für die Barschangelei überhaupt nicht interessant sind.

Doch besonders beim Barsch kommt neben der Köderfarbe noch ein weiterer extrem wichtiger Aspekt ins Spiel, die Köderpresentation. Das Barschauge ist was ganz Besonderes. Die Akkomodation der Linse, also das Einstellen der Brechkraft der Linse auf unterschiedliche Verhältnisse, wird bei Barschen durch vier Muskelstränge gesteuert (Guthrie, 1981). Zum Beispiel bei Hechten und Forellen ist dafür lediglich ein Muskel zuständig. Das bedeutet, dass der Barsch extrem scharf sehen kann und das wiederum bedeutet, dass die Köderpresentation extrem unauffällig sein sollte. Dicke Stahlvorfächer oder große Wirbel und Karabiner sind bei der Barschangelei völlig fehl am Platz.

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Literatur:

Guthrie, D. (1981). The properties of the visual pathway of a common freshwater fish (Perca fluviatilis L.) in relation to its visual. Brain Mechanisms of Behaviour in Lower Vertebrates, 9, 79.
Guthrie, D. (1983). Visual central processes in fish behavior Advances in vertebrate neuroethology (pp. 381-412): Springer.

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Oktober 16, 2017
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