Wo isser denn nu, der Zander?

Nach seinem ersten Beitrag über einige typische Bewegungsmuster des Zander, geht Martin nun etwas näher auf den Standort des Zanders ein.

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Nach dem ich im vorigen Beitrag versucht habe einige typische Bewegungsmuster des Zander, zumindest soweit sie wissenschaftlich untersucht wurden, zu beschreiben, möchte ich in diesem kurzen Beitrag etwas auf die Habitatwahl, also den Standort innerhalb eines Gewässers, den der Zander bevorzugt, eingehen.

Bereits bei der Recherche zum letzten Beitrag, sind mir in den Artikeln ab und an mal wieder Kommentare aufgefallen, die sich auf den Standort der Zander beziehen. Dabei fiel mir eine Studie ganz besonders auf, die mich doch etwas überrascht hat, und zwar wurden in der Studie von Koed und Mitarbeitern (2000) 80% der markierten Zander, im Hauptarm des untersuchten Flusses wiedergefangen, und kein einziger Zander wurde jemals in vegetationsreichen Gebieten wiedergefangen. Das war für mich überraschend, für die eingefleischten Zanderangler unter euch vielleicht nicht?

Auf der Suche nach weiteren Artikeln zu diesem Thema viel mir schnell auf, dass es nicht viele Studien gibt, und die Studien die ich fand, haben meist Flusssysteme als Untersuchungsobjekt. So haben Vehanen und Lahti (2003) festgestellt, dass sich markierte Zander im Sommer fast ausschließlich im Hauptkanal der Flüsse aufhielten. Keiner der markierten Fische wurde etwa in flachen Buchten oder Altarmen wiedergefangen. Interessant daran ist, dass die Fische, obwohl sie sich im Hauptarm aufhielten, hier jedoch die relativ flacheren Bereiche, in der Studie Bereiche zwischen 7 und 15 m Tiefe, im Sommer bevorzugten. Außerdem wurden die strömungsärmeren Bereiche eindeutig von den Zandern bevorzugt. Diese Beobachtung konnten auch Horky und Mitarbeiter (2008) in ihrer telemetrischen Studie machen. Zander haben deutlich die Hauptströmung im Fluss gemieden. Vehanen und Lahti (2003) haben dann in der zweiten Jahreshälfte feststellen können, dass die Zander, zunächst jedoch hauptsächlich die Weibchen, in tiefere Gebiete abgewandert sind. In der Studie wurden über den gesamten Zeitraum Fische zwischen einem und 31 m Wassertiefe gefangen!

Zum täglichen Standortwechsel bei Zandern konnte ich nur in der Studie von Horky und Mitarbeitern (2008) eine Angabe finden. In ihrer Studie haben sich die Zander am Tag am weitesten vom Ufer, und in den eher tiefen Bereichen aufgehalten, während die Fische nachts sehr nah am Ufer und flach zu finden waren. Übrigens, umso dunkler, umso flacher!

Abschließend lässt sich sagen, dass Zander in Flüssen eher selten in den Altarmen und Nebenflüssen zu finden sind. Die Fische sind im Hauptarm des Flusses, hier jedoch niemals in den extremen, sowohl starken, als auch schwachen, Strömungsbereichen und wohl auch eher selten in stark mit Pflanzen bewachsenen Bereichen (außer zur Laichzeit). Die Fische stehen im Sommer eher flach, und im Winter in den tieferen Löchern. Interessant ist, dass der bevorzugte Tiefenbereich im Sommer und Winter eher klein ist, genauso wie der bevorzugte Strömungsbereich, im Herbst jedoch die Varianz an Tiefen und Strömungsgeschwindigkeiten in denen Zander gefangen wurden am größten waren. Das würde für uns Angler bedeuten, dass es im Herbst am wahrscheinlichsten wäre mal einen Zander zu fangen, auch wenn man die genauen Standorte der Fische nicht kennt, dass Massenfänge, wie zum Beispiel in Winterlagern, aber wohl nur schwer möglich wären.

Übrigens konnte ich nur eine Studie finden, die sich im weitesten Sinne mit der Standortwahl der Zander in Seen beschäftigt. Und auch in dieser Studie habe ich nur eine sehr allgemeine, und dennoch ziemlich interessante, Beschreibung des optimalen Zandergewässers gefunden. Skrzypczak und Mamcarz (2005) haben verschiedene Gewässer Polens auf ihre „Zandertauglichkeit“ (gemessen an der Anzahl der Jahre in denen von Anglern dort Zander gefangen wurden, geteilt durch die Gesamtanzahl aller Jahre zu denen Informationen über Fänge vorlagen) untersucht. Die Gewässer in denen am konstantesten Zander gefangen wurden, waren eher flache, sehr trübe Gewässer, bei denen es im Sommer nicht zur Ausbildung einer Sprungschicht kommt.

Auch überrascht? Ich schon, wenn ich daran denke, wie immer wieder Zander in Talsperren, oder klaren Kiesseen gefangen werden…

Martin Friedrichs

Student der Biologie mit Schwerpunkt Gewässerökologie

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August 10, 2016

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