Neues aus der Wissenschaft
Zanderangeln im Winter bei kalten Wasser-Temperaturen

Zanderangeln im Winter Zander Lieblingsköder

Zanderangeln im Winter – DIE Aufgabe?

Fische – Wechselwarme Tiere und warum das Zanderangeln im Winter so schwierig ist

Warum ist das Zanderangeln im Winter eine echte Herausvorderung? Hier die biologische Erklärung!
Fische gehören zu den wechselwarmen (syn.: poikilothermen) Tieren und ihre Körpertemperatur ist daher stark von der Umgebungstemperatur abhängig. st es im Winter kalt und wir haben geringe Wassertemperaturen, sind auch die Fische die wir fangen kalt. Besonders deutlich wird einem das, wenn man im zeitigen Frühjar angeln geht. Die Lufttemperatur hat dann häufig schon angenehme 15 °C oder mehr, fängt man aber einen Fisch, wie zum Beispiel einen Zander, ist dieser meist noch richtig kalt!
Nun könnte uns, als Angler, das völlig egal sein, sollte es aber nicht.
Nebenbei bemerkt: Eine Gruppe der Fische hat es geschafft, ähnlich den Säugetieren oder Vögeln, ihre Körpertemperatur zu regulieren und damit nicht mehr abhängig zu sein von der Umgebungstemperatur, die Thunfische!

Die RGT-Regel – bitte was?!

Was hat nun die Wassertemperatur mit unserem Fangerfolg zu tun? Das ist relativ einfach erklärt und keine Angst, das wird kein Chemie Unterricht hier. Die erwähnte RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel) besagt ganz einfach, dass physiologische Prozesse bei geringerer Temperatur langsamer ablaufen, als bei höheren Temperaturen. Für die Fische, und in dem Fall dem Zander, heißt das ganz einfach, dass er 1. weniger Nährstoffe im Winter braucht, weil er weniger Energie verbraucht, als im Sommer, und 2. dass der Zander, wenn er Nahrung zu sich genommen hat, viel länger braucht um diese zu verdauen. Das heißt, die Zeitabstände bis zum nächsten Raubzug (oder bis zur Attacke unseres Köders), viel größer sind. Ergo sinken unsere Chancen im Winter einen Biss von einem Zander zu bekommen.

Konkret in Zahlen – Kleine Studie aus Tschechien

Was bedeuten diese ganzen theorethischen Aspekte nun aber konkret für uns Angler bei der Jagd auf Zander im Winter?

Tschechische Wissenschaftler haben das untersucht. Natürlich nicht, um uns Anglern zu erklären, wie wenig Zander im Winter im Vergleich zum Sommer fressen, sondern um neue Erkenntnisse für die Haltung von Zandern in Aquakulturen zu gewinnen.

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Noch mehr Infos gefällig?!

Wenn man sich schon über die Ködergröße für Zander im Winter Gedanken macht, sollte man sicherlich auch wissen, welche Farben Zander sehen können.

Welche Farben sehen Zander?

Und noch interessanter ist ein wissenschaftlicher Blick auf die Sinneswahrnehmung des Zanders (und auch Barsch und Hecht) im Allgemeinen.

Hier im MFBcast!

 

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Experiment und Ergebnisse

Versuchsaufbau

Um sich den Fragen nach der aufgenommenen Nahrungsmenge und bevorzugten Beutegröße zu nähern, haben die Wissenschaftler insgesamt 10 Zander (5 Männchen und 5 Weibchen, um die 50 cm groß) in Aquakulturanlagen gehalten. Die Zander wurden zunächst bei 4,5 °C Wassertemperatur für 12 Tage gehalten, dann über 7 weitere Tage langsam an höhere Temperaturen angepasst und wieder 12 Tage bei 8,5 °C gehalten, wieder 7 Tage Anpassung und zu Schluss nochmal 12 Tage bei 12,5 °C gehalten. Innerhalb dieser 12 Tage Phasen wurde dann die aufgenommene Nahrungsmenge und Beutefischgröße dokumentiert.

Beutefische

Den Zandern wurden Blaubandbärblinge (Pseudorasbora parva) als Beute vorgesetzt. Die Beutefische wurden in drei Größenklassen eingeteilt, groß, mittel und klein. Die Großen hatten eine Länge von um die 10 cm, die mittleren um die 6 cm und die kleinen um die 5 cm.

Spannende Temperaturbereiche und Beutefischgrößen (Ködergrößen!!) für Zanderangler!

Ergebnisse

Nahrungsmenge

Bei 4 °C

Die aufgenommenen Nahrungsmengen im Winter (also bei Wassertemperaturen um die 4 °C) sind extrem gering. Sowohl Weibchen, als auch Männchen, haben im Schnitt nur jeden dritten oder vierten Tag überhaupt gefressen. Weibliche Zander haben ein wenig häufiger gefressen, als männliche Zander. Die aufgenommenen Nahrungsmengen lagen dabei bei weniger als 1 g je kg Körpermasse pro Tag. Also extrem wenig und damit sinkt natürlich die Chance einen Zander im Winter zu fangen erheblich.

Bei 8 °C

Bei Wassertemperaturen um die 8 °C sah das dann schon anders aus. Die Zander haben im Schnitt jeden zweiten tag gefressen und auch die aufgenommenen Nahrungsmengen sind auf circa 6 g je kg Körpergewicht pro Tag gestiegen. Also erheblich mehr beutefische wurden gefressen! In Fressphasen wurden dann auch schonmal 5 oder 6 Beutefische gefressen. Das steigert natürlich die Chance auf einen Biss erheblich!

Bei 12 °C

Bei Wassertemperaturen um die 12 °C hat sich dieser Trend dann fortgesetzt. Die Zander haben jetzt täglich gefressen und auch die Nahrungsmenge ist auf circa 17 g je kg Körpergewicht pro Tag angestiegen. In Fressphasen wurden auch mal 10 Beutefische gefressen. Das sind natürlich Verhältnisse, die die Chance auf einen Biss erheblich steigern.

Ködergrößen für das Zanderangeln im Winter und Frühjahr

In Bezug auf die Größe der gefressenen Beutefische gab es kein statistisch signifikantes Ergebnis. Man weiß aber aus anderen Studien, dass auch Zander in der Regel kleinere und vor allem schmalere Beutefische gegenüber größeren und höheren bevorzugen (siehe dazu Thema Maulspaltenlimitierung im MFBcast oder in der Lieblingsköder Angelschule)! Wie gesagt, im Versuch gab es dahingehend kein eindeutiges Ergebnis, mit einer Ausnahme, bei Wassertemperaturen um die 8 °C haben vor allem die weiblichen Zander die Gruppe der großen und mittleren Beutefische häufiger gefressen. Man kann nur vermuten, dass das ein Ergebnis aus dem erhöhten Energiebedarf der Laichzeit ist. Spannend ist aber, dass auch bei Wassertemperaturen um die 12 °C, die bei uns ungefähr am Ende der Schonzeit zutreffen sollten, keine eindeutigen Präferenzen festzustellen waren. Man kann dann genau sogut mit einem 5 cm langen Köder, wie mit einem 10 cm langen Köder Zander beangeln! Das macht das Zanderangeln im Winter etwas leichter, da es keine wirklichen Einschränkungen in der zu verwendenden Ködergröße gibt.

Ganz generell ist aber festzuhalten, dass weibliche Zander immer mehr gefressen haben als männliche Zander, egal bei welchen Wassertemperaturen. Das ist natürlich für Zander-Angler ein deutliches Signal. Wer im Winter gezielt auf Zander angelt, wird vermutlich hauptsächlich weibliche Zander fangen. Studien bei anderen Fischarten haben gezeigt, dass der Stress durch das Fangen und ggf. Zurücksetzen dazu führen kann, dass entweder gar kein, oder aber zumindest weniger Laich abgelegt wird, als im Vergleich zu nicht gefangenen Fischen.

Martin Friedrichs

MARTIN FRIEDRICHS

Martin ist Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Sein thematischer Schwerpunkt liegt bei der Fließgewässerökologie und dem Naturschutz. Neben der Promotion ist Martin begeisterter Angler und für uns als Wissenschaftsjournalist tätig. Er wirft für Dich einen Blick hinter die Fakten & Mythen im Angelbereich. Eben mehr als nur Angeltipps! Hier geht es um knallhartes Faktenwissen rund ums Angeln, welches Martin mit den dazugehörigen Studien belegt. Sei dabei, diskutiere mit und gestalte eine nützliche Wissensdatenbank mit Angeltipps von Anglern für Angler!

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Literatur über das Zanderangeln im Winter:

Malinovskyi, O., Blecha, M., Křišťan, J., & Policar, T. (2020). Feeding activity of pikeperch (Sander lucioperca) under winter and spring photothermal conditions of pre‐spawning period. Aquaculture Research, 51(2), 852-857.

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Januar 23, 2020
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